Kopftuchverbot an Schulen - Pro und Contra

23. Februar 2018

Die Parteimanagerin der SPÖ Wien, Barbara Novak, will ein Kopftuchverbot für Schülerinnen durchsetzen. Die Meinungen zu dem Thema sind gespalten, auch innerhalb der Biber-Redaktion. Zwei arabischstämmige Redakteurinnen, zwei Meinungen zum Thema Kopftuch an den Schulen.

von Nada El-Azar und Nour Khelifi  

 

PRO von Nada El-Azar, biber-Redakteurin 

Als „Frauenrechtlerin“ möchte Novak gegen das Kopftuch in Schulen auftreten. Einige wundern sich jetzt: Wenn sie eine Feministin ist – warum möchte sie anderen Frauen vorschreiben, was sie tragen dürfen und was nicht? Bevor man Frau Novak als diskriminierend abtut, sollte man sich die Frage stellen: Woher kommt das Kopftuch eigentlich? Das Kopftuch soll die sexuellen Reize der Frauen den Blicken der Männer entziehen. Ergo ist es ein Zeichen sexueller Reife. Deswegen hat es bei Klein- und Volksschulkindern schon mal gar nichts verloren. Dass Frauen und Mädchen damit massiv sexualisiert werden, scheint einer Vielzahl von Feministinnen egal zu sein. Vielmehr verteidigen sie diesen uralten Brauch einer rigiden Männergesellschaft als „kulturelle Eigenheit“, in die man sich nicht einmischt.

Mein Vorschlag ist ein Kompromiss: Ein Mindestalter von 16 Jahren. Denn in der muslimischen Community ist es nicht einfach, das Kopftuch abzulegen, wenn man einmal damit begonnen hat. Es gleicht einem Abfall vom Glauben, und fällt als „Schande“ auf die ganze Familie der Frauen zurück. Es ist nicht „nur ein Stück Stoff“, sondern ist mit einer ganzen Reihe Erwartungshaltungen an Frauen verbunden. Abgesehen davon soll jungen Mädchen nicht zu früh vermittelt werden, dass sie sich vor Buben zu verhüllen haben – viel zu viele wachsen zu kleinen Duckmäuschen heran. Das Mindestalter soll ein selbstbestimmtes Entscheiden stärken und Empowerment fördern!

Foto: Christoph Liebentritt
Foto: Christoph Liebentritt

Nada El-Azar, 21, ist biber-Redakteurin und Absolventin der Biber-Akademie.

 

CONTRA von Nour Khelifi, Autorin und freie Redakteurin 

„Ich werde als Frauenrechtlerin und Feministin weiter gegen das Kopftuch auftreten.“ Barbara Novak ist neue Parteimanagerin und Bezirkschefin der SPÖ in Döbling. In einem STANDARD-Interview erzählt sie vom Vorhaben im Bildungsbereich für ein Kopftuchverbot an den Schulen einzutreten. Mit dem obigen Zitat hat sich Novak selbst ein Eigentor geschossen, denn Feminismus ist das sicherlich nicht. Feminismus besteht nicht darin einer Frau zu untersagen oder aufzuerlegen, was sie anzuziehen oder abzulegen hat. Feminismus sollte Empowerment sein. Stattdessen wird auf das Kopftuch die vermeintliche Diskriminierung der Frau projiziert.  Wenn also ein junges Mädchen herumexperimentiert, ihre Identität noch ausforscht und das Kopftuch dabei auch eine Rolle spielt, wo liegt dann das Problem? Wenn Menschen sich sexuell entfalten können, dann wohl auch religiös.  Abgesehen davon – in diesem Diskurs, ob ein Kopftuch in der Öffentlichkeit sichtbar sein soll oder nicht, findet keine Diskussion statt. Es werden nur Meinungen kundgetan und Schlagzeilen damit gemacht.  Die SPÖ hat diese Schiene, wie sie schwarzblau führt, nicht nötig. Anstatt also die Defizite in der Sozial-und Bildungspolitik auf das Kopftuch zu schieben, würde mich, und viele andere Österreicherinnen und Österreicher auch, interessieren, was die SPÖ als Opposition gegen Schwarzblau an konkreten Lösungsvorschlägen zu bieten hat. Und nicht weiter den rassistischen und diskriminierenden Diskurs in der Gesellschaftspolitik zu befeuern.

Foto: Zsolt Marton
Foto: Zsolt Marton

Nour Khelifi (24), ist Autorin und freie Redakteurin u.a beim ORF und der Wiener Zeitung, sowie absolventin der Biber-Akademie.

Bereich: 

Das könnte dich auch interessieren

Anmelden & Mitreden