Macht Platz für meine Super-Mama!

02. Juni 2022

SCHÜLERBLOG:

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Alex Maguala Foto: Markus Korenjak

Ich lebe seit zehn Jahren in Wien. Meine Mutter lebte schon länger hier. Ich musste bei meiner Oma in Kinshasa bleiben. Aber meine Mutter arbeitete Tag und Nacht, um mich nach Österreich holen zu können. Mein Vater hatte uns – meine Mutter, meine Schwester und mich – plötzlich verlassen. Er hatte angeblich einen wertvollen Stein im Kongo unter Wasser gefunden. Nun war er sehr wohlhabend. Seine Mutter riet ihm, meine Mutter zu verlassen. Und kurz darauf schmiss er uns raus. Nun standen wir da, auf der Straße mit drei Koffern. Ich war noch ein Baby. Meine Mutter ist mit uns nach Angola gegangen. Warum sie das Land verlassen wollte, hat sie mir nie so richtig erklärt. Ich glaube, sie hat sich geschämt. Wir lebten dort für mehrere Monate in einer Art Flüchtlingsheim. Eines Tages bekam meine drei Jahre ältere Schwester Bauchschmerzen. Auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb sie. Wie und warum, das will mir meine Mutter bis heute nicht erzählen. Sie hat das Grab ihrer Tochter nie gesehen und es gibt nichts Schlimmeres, als das eigene Kind zu verlieren. Meine Mutter gab nicht auf und zog wieder in den Kongo mit mir. Sie ließ mich bei meiner Oma und ging nach Österreich. Hier anzukommen, ohne die Sprache zu sprechen und eine Wohnung zu haben, ist sehr schwer. Doch meine Mutter kannte das Wort „schwer“ nicht. Sie arbeitete zuerst als Kellnerin. Dann als Reinigungskraft. Sie lebte in einer kleinen Wohnung nur mit den notwendigsten Sachen zum Leben. Sie leistete sich keine Smartphone, keinen Schmuck, keinen Friseurbesuch. Sie sparte nur Geld, um mich nach Österreich zu holen. Nach einem Jahr war ich da und sie bekam mit den Jahren immer bessere Jobs. Wir zogen in eine größere Wohnung. Ich denke mit einem Lächeln an meine Kindheit, sie verlief ganz gut und normal. Naja, nicht immer, manchmal musste ich einiges aushalten als einziger schwarzer Junge in der Volksschulklasse. Aber dank ihrer Ratschläge konnte ich jeden blöden Spruch wegstecken und zu einer selbstbewussten Person heranwachsen. Meine Mutter ist eine Kämpferin. Noch heute. Sie ist die stärkste Frau, die ich kenne. Ich bewundere sie, weil sie immer für mich da war und nie einen Mann gebraucht hat, um all die Hürden, die das Leben bereithält, zu meistern. Das ist der Grund, warum ich dich so sehr liebe, Mama!

Alex Maguala, 16, 1BS VBS Hamerlingplatz

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