Nicht, dass er noch Schwul wird!!

03. Juni 2019

Der moderne Mann soll Rosa tragen. Mein Baby nicht. Diskriminierung!

„Oha, Ivana. Du ziehst ihm Rosa an?!“, missbilligte letztens jemand ungefragt das Outfit meines Sohnes. „Du meinst jetzt die Socken mit den Eulen drauf, mit den rosa Ohren?“ - vehementes Nicken. „Nicht, dass er noch schwul wird!“, bekam ich bei einer anderen Gelegenheit zu hören. Der textile Aufreger diesmal: ein grauer Pulli im pinken Streifenlook. Na, mein Sohn wird jetzt fix schwul werden! Er wird sich abseits der gesellschaftlichen Norm und Neigungen entwickeln, kein männlicher Held sein, der seinen Vater stolz macht und Fußball spielt. Wegen eines Pullis und ein Paar Socken.

Messi trägt auch Rosa!

Farbdiktatur herrscht in der Welt der Kinderfashion. Blau ist für Jungs und Rosa für Mädchen. Was bei Buben als gesellschaftliche Ächtung quittiert wird, tragt der ausgewachsene Mann von Welt als Selbstverständlichkeit neuer Männlichkeit. Der neue Mann ist demnach metrosexuell, trägt Rosa, ist Feminist und findet das super. Und alle beklatschen ihn dafür. Seit Jahren schicken die Designer ihre männlichen Models im pinken All-Over-Look auf den Laufsteg. Die gehypte Trendfarbe hat seitdem längst Einzug in männliche Kleiderschranke gehalten. Etabliert hat sich Schweinchenrosa für den Mann in der Polohemd-Variante für die Masse, als knalliges Modestatement unter dem Hosenbein von Intellektuellen und Fernsehmoderatoren, aber auch an der letzten Bastion traditioneller Männlichkeit, am Fußballfeld: Der FC Barcelona lauft für die aktuelle Saison in einer neuen Trikot-Variante aufs Spielfeld: Piqué und Messi kicken in rosaroten Kniestrümpfen und Leibchen um den Champions League-Pokal.

Mit Babyblau gegen den Zerfall der Gesellschaft

Die rosa Eulen an den Söckchen meines Einjährigen aber rütteln an den Grundfesten konservativer Wertvorstellungen. In Zeiten, in denen Männer möglichst nicht männlich, Frauen möglichst nicht weiblich sein sollen, Intersexualität, Transgender bzw. die Aufhebung von Geschlechtern diskutiert wird, machen ein paar pinke Tupfer an Kinderbekleidung unverhältnismäßig viel Furore. Quasi, wenn die Welt schon aus den Fugen gerat, soll zumindest in den Farbcodes der Kinder Klarheit herrschen. Ich mochte dein Kind eindeutig identifizieren können. Zieh ihm Babyblau an, verdammt noch einmal! Ein Blick in die Vergangenheit zeigt aber, dass ich mit der Rosa-Pink-Farbkombi für meinen Sohn eh recht retro bin. Denn richtige Jungs trugen vor Jahrhunderten noch Rosa, die Farbe von Macht, Blut, Krieg, Männlichkeit. Mädchen wurden in Blau, der Farbe der Jungfrau Maria gestylt. Das Tuch des Jesuskind war rosa gefärbt. Ebenso die ersten Trikots von Juventus Turin 1897. Puh, alles richtig gemacht also. Ob mein Sohn jetzt doch nicht schwul werden wird? Er kann alles werden, was er will. Fußballer zum Beispiel. Wie sein Vater. Und sogar die Mädchenfarbe Blau tragen.

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