Oh, its a Kind!

24. April 2018

Ich hab’s geschafft. Ich bin nun endlich ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft. Denn ich habe ein Kind geboren. Konfetti! 

von Ivana Cucujkic

Die Baby-News bahnten sich langsam – nein, Scherz, ziemlich rasant – ihren Weg sogar bis ins Dorf nach Ostserbien und nahmen den Verschwörungstheoretikern ganz schön Wind aus den Gossip-Segeln. Oh, kann ich wohl doch Kinder bekommen. Ah, passt wohl doch alles zwischen uns und da unten. Weil, Faustregel: Wenn sich der erste Erbe nicht nach ca. drei Jahren ankündigt, muss es wohl einen dramatischen Grund geben, logisch. 

Endlich Baby-Whatsapp-Gruppe  

Nö, kein Fruchtbarkeitsdrama, keine Ehekrise. Einfach nur keinen Bock gehabt. Jetzt dröhnt natürlich allgemeine Erleichterung durch die innerfamiliären Kreise. Hab ich nun die credibility einer vollwertigen Erwachsenen, zumindest in der Wertewelt einiger Verwandter und solcher, die das Leben anderer aus Prinzip ungefragt kommentieren. Meine Eltern müssen sich nicht mehr wie enkellose Aussätzige fühlen. Können nun auch im WhatsApp nervige Babychatgruppen bilden, sich’s im Wett-Enkelvergleich voll geben und komplett unnötige Baby-Events planen. Weil die muss man. Macht jeder. Bringt vielleicht sonst Unglück, dreizehn Jahre Regen oder whatever....  Dieses Kind war kaum auf der Welt, hatte es bereits mehr gesellschaftliche Pfichten als Prince George von England. Während ich bei den Nach- wuchs-Basics hing und versuchte, Mullwindeln von Spucktüchern zu unterscheiden (es gibt keinen Unterschied) und die Geburtsaction psychisch verdaute, wurden anderweitig Festsäle gebucht, Taufen geplant, ach, und für den ersten Geburts- tag steht die Gästeliste auch halb. Das Kind soll anständig präsentiert, in die Gesellschaft einge- führt werden. 

Serbischer Besucher-Klan 

In gesitteten Verhältnissen schickt man ‘nen Strauß Blumen ins Krankenhaus und Glückwunsch- Selfies, oder man kündigt sich zaghaft nach einem Monat zu einem Hausbesuch zum Babygucken an. Davon halten werdende Balkan-Großeltern und Tanten aber nicht viel. Also hat mein Mann das Besucher-Management übernommen, damit das Personal in der noblen Privatklinik nicht all zu sehr vom – Originalzitat der Hebamme – „Serbischen Klan“ überrollt werden konnte.  Das Kind-Präsentier-Happening ist eine große Sache und macht jeder, der einen Minikredit be- willigt kriegt und es super findet, dass hundert Menschen dein Neugeborenes bei Live-Musik und stickiger Restaurantluft bestaunt. Die anderen machen sich eine stressfreie Zeit mit dem neuen Mitbewohner. Ich würde gerne zur zweiten Gruppe gehören. Aber „es will doch jeder das Kind sehen“. Als ob es einen allgemeinen Anspruch auf Babyschauen gibt.  Derzeit scheine ich diesen Kampf um Souveränität und Selbstbestimmung zum Wohle des großelterlichen Stolzes zu verlieren. Werden es wohl doch die gemischte Grillplatte und schweißige Glückwunschschmatzer werden. So viel zu „vollwertiges Mitglied der Gesellschaft“. 

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