Vom Halal Boy zum Haram Boy

Ich komme aus einer sehr religiösen Familie und bis zu meinem fünfzehnten Lebensjahr war ich auch gläubig. Ich bin in der Moschee in den Koranunterricht gegangen, habe meine ganze Freizeit damit verbracht, den Koran zu lernen und Vorträge in der Moschee zu besuchen. Dort habe ich auch meine ganzen Freunde gefunden, die waren auch sehr religiös und älter als ich. Wie deine Freunde sind, so bist du auch. Für mich gab es also kein Alkohol, kein Rauchen, keine Shisha, keine Mädchen.  In der Schule hatte ich keine Freunde und wurde gemobbt, weil mein Deutsch nicht so gut war, weil ich erst mit 12 aus Bosnien nach Wien gekommen bin. Mein Vater hat mitbekommen, dass ich Angst hatte in die Schule zu gehen und geweint habe. Deshalb hat er mich zum Kampfsport-Unterricht geschickt, er wollte, dass mein Selbstvertrauen gestärkt wird. Mich und meine Freunde aus der Moschee hat dann ein Afghaner im Kampfsport unterrichtet, aber nach einem Jahr musste er sein Studio schließen, weil er kein Geld mehr hatte. Ich bin dann in eine neue Schule gekommen und habe mich mit meinem neuen Selbstbewusstsein mit allen angefreundet. Dort habe ich meinen besten Freund kennengelernt. Er war das Gegenteil von mir, während ich gebetet habe, ist er ins Puff gegangen. Er hat mich in seinen Freundeskreis reingezogen, so dass ich mental dazu gezwungen wurde so zu sein. Aber natürlich kannst du dich nicht von heute auf morgen ändern, es hat eine zeitlang gedauert bis ich so wurde, wie ich jetzt bin.

Ewige Jungfrau

Es hat damit angefangen, dass sich meine älteren Freunde lustig gemacht haben und zu mich „ewige Jungfrau“ genannt haben. Es war zwar Spaß, aber ich fühlte mich ausgeschlossen und so fing ich dann an mit Mädchen zu reden. Es war schwer das zu überwinden, weil ich aus einer Familie komme,  wo Mann und Frau sich erst sehen, wenn sie heiraten und der Kontakt mit Mädchen sollte vermieden werden. Tja, so hatte ich meine erste Beziehung. Wir haben uns immer heimlich getroffen, damit mich keiner aus der Moschee sieht. Weil es dann heißt „haram“ und das sofort zu meinem Vater kommt. Durch dieses Mädchen fing ich an zu rauchen und war aber nicht lange mit ihr zusammen und machte schon bald Schluss. Zu der Zeit war ich sehr sportlich und hab mir immer und immer wieder ein Mädchen gefunden. Mit sechzehn hatte ich auch mein erstes Mal und es ging immer so weiter. Dann hatte ich eine Zeit, wo ich eine Trainings Verletzung hatte und 8 Monate kein Fitness machen konnte. Zu dieser Zeit hatte ich die Lust an Mädchen verloren und hab Kontakt mit meinem besten Freund abgebrochen, weil er so einer war, der jede Woche eine andere hatte und ich das Gefühl hatte, da mitthalten zu müssen. Irgendwann hatte ich kein Bock mehr und hatte nebenbei kriminelle Freunde. Ich fing an zu kiffen, weil ich kein Sport mehr machte, brauchte ich eine andere Sucht. Das Kiffen wurde zu meinem Alltag. Beim Fortgehen habe ich mit Extasy begonnen. Dann gab es immer Stress zwischen unseren Gruppen und anderen und es kam öfters zu Schlägerein. Doch dabei blieb es nicht. Wir hatten kein Geld, dann bildete sich eine Gruppe zwischen mir, einem Bosner und einem Albaner die nahezu täglich Ladendiebstähle machten. Wir haben Sachen aus verschiedenen Geschäften geklaut, die Sensorchips mit einer Zange entfernt und die Sachen für den halben Preis verkauft und damit Geld gemacht. Von normalen Klamotten bis zu Musikboxen und Kopfhörern und Schuhen – wir haben alles geklaut. Irgendwann wurden wir erwischt und hatten viele Probleme mit der Polizei. Das Ganze kam zu meinem Vater. Er war sehr enttäuscht von mir und hätte sowas nie von mir erwartet. Das traf mich sehr. Ich beschloss, mich zu ändern und wieder langsam auf den richtigen Weg zu kommen. Mittlerweile bin ich nicht mehr so haram - aber ganz halal bin ich noch immer nicht. So wie der Weg bergab langsam vor sich ging, geht der Berg hinauf auch lansgam. Ich bin optimisisch. Ich möchte Physiotherapeut oder Fitness-Trainer werden und ein guter Moslem sein – inshaallah.

Ist 17 Jahre alt.

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