GUTEN MORGEN WIEN, DU HAST GESTERN DIE SPÖ GERETTET!

16. Oktober 2017

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SPÖ
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Blog von Simon Kravagna

Es war ein Schock. Platz drei hinter der FPÖ. Bei der ersten Hochrechnung gestern kurz nach 17 Uhr zeigten die Bilder geschockte Gesichter aus der SPÖ-Zentrale. Mit einem Sieg hatte unter den Sozialdemokraten ohnehin nur mehr eine Minderheit gerechnet. Aber von HC Strache und seinen Mannen überholt zu werden - das überlebt auch eine Partei mit so einer stolzen Geschichte wie die SPÖ nur schwer. Noch weniger überlebt so etwas ein Parteichef - auch wenn er Christian Kern heißt. 

Umso größer die Erleichterung, nachdem eine Stunde später die Stimmen aus Wien die Roten wieder nach vorne schoben. Da jubelten die Genossen fast so, als wäre Kern der Wahlsieger des Abends gewesen. Gegen den Österreich-Trend legten die Sozialdemokraten in Wien auf 35 Prozent zu, dahinter folgten mit einem ordentliche Abstand FPÖ (23) und ÖVP (21). Das ist umso erstaunlicher als vor allem "Österreich" - aber auch die "Krone" - im Gegensatz zur letzten Nationalratswahl gegen die SPÖ anschrieben. 

Ja natürlich, die Wahlkarten sind noch nicht ausgezählt und bis zum Endergebnis am Donnerstag kann sich noch einiges ändern. Selbst ein Wechsel der Positionen zwischen SPÖ und FPÖ. Aber in der Politik zählt oft der Moment. Psychologisch ist das Ergebnis am Wahltabend oft wichtiger als alles, was Tage danach passiert. Gestern war es entscheidend, nicht völlig unterzugehen und noch mal knapp die Nase vor den Freiheitlichen zu haben.

Zu verdanken hat dies Christian Kern jedem dritten Wiener, jeder dritten Wienerin. Und das, obwohl es in keiner Region in Österreich mehr Migranten, mehr Flüchtlinge und auch die damit oft verbundene Probleme gibt. Vor allem viele frühere Grün-Wähler in ehemaligen grünen Hochburgen wie etwa Wien Neubau (plus 14 Prozent für die SPÖ!) oder aber auch der Josefstadt (plus 12 Prozent) haben für Kern gestimmt. Ewig wird die Treue eines Drittels der Wiener Bevölkerung zur SPÖ aber auch nicht halten.

Es wird interessant zu sehen sein, welche Schlussfolgerungen die Wiener Sozialdemokraten aus dem Ergebnis ziehen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Bereits Anfang 2018 tritt Michael Häupl als Parteichef zurück. Dann braucht es eine neue personelle und  inhaltliche Aufstellung, die mehr können muss als sich nur als das übliche Gegengewicht zu Türkis und Blau zu positionieren. Und ist Christian Kern als Nachfolger für Michael Häupl wirklich aus dem Spiel? Wo kann man sich den Mann eher vorstellen? Auf der Oppositionsbank oder im Wiener Rathaus?

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Kommentare

 

SPÖ muss sich eben zukünftig daran gewöhnen, dass auch sie letztlich an ihrem Tun gemessen wird und nicht an den Versprechen, die sie vor Wahlen abgibt. H. Androsch, B. Vranitzky, V. Klima, A. Gusenbauer oder Ch. Kern sind Politiker in deren Fokus sicher nicht der Arbeitnehmer oder die Kleinunternehmer stehen. Der Aufbau von Netzwerken für die Zeit nach der Politik ist es da schon mal wert, auch zu schmutzigen Mitteln während des Wahlkampfes zu greifen. Absurd ist daran allerdings gar nichts. Es ist rein menschlich.

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