Wie aus Gülüm Rosa wurde

10. Januar 2019

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Elias
Foto: privat

Ich kaufte mir vorige Woche ein neues Designer-Täschchen. Mein bester Freund hingegen einen neuen Namen.


Wenn ich Samstag Abend mit meinem besten Freund, Erhan, in der 2Lounge sitze und er mir schon wieder von einer Jobabsage erzählt, steigt meine Wut jedes Mal aufs Neue. Nach unzähligen „Mach dir nichts draus, wahrscheinlich sind sie zurzeit nicht auf Mitarbeitersuche‘‘ oder „Dafür nimmt dich sicher die andere Firma“ meinerseits, fehlen mir dann beim gefühlten 100. Mal einfach die Worte.

Erhan Gülüm

Schließlich hat Erhan genug berufliche Erfahrung, einen super Lebenslauf, sowie eine gute Ausbildung. „Das sind doch die Kriterien, nach der jede große Firma sucht“, sagt er dann immer. „Oder ich bin Ihnen einfach nicht genug österreichisch.“ Am Anfang habe ich das noch belächelt. Ich meinte im Spaß: „Ja, klar bist du nicht genug österreichisch, du bist ja auch Türke.“ Aber da war ich auch noch naiv. Ich war fix davon überzeugt, dass jede und jeder, der sich in diesem Land bemüht, sei es mit Ausbildung, Lehre oder Arbeitswille, die Möglichkeit hat, Arbeit zu finden. Aber, dass Menschen aufgrund ihres Namens (bedingt durch ausländische Herkunft) auf dem Arbeits & - Wohungsmarkt Probleme haben, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Fragt nur eure türkischen Freunde z.B. oder Erhan. 

Elias Mi Rosa

Erhan Gülüm ist jetzt 26 Jahre alt und heißt seit paar Wochen Elias Mi Rosa. Einen Name, der alles andere als türkisch ist. Ein Name, der um die 1200 Euro kostet (Vor und Nachname werden einzeln verrechnet).  Alleine nur der Antrag auf Namensänderung kostet was. Nach dem Antrag folgte die Bewilligung, woraufhin das Namensänderungsreferat am Brigittaplatz im 20. den Job erledigt. Für all die Namens-Unglücklichen unter euch, mehr Informationen dazu findet ihr hier. (link)

Das Leben nach der Namensänderung

Ob ihm diese Namens - & die damit verbunde Herkunftsänderung nun was bringt oder nicht, ist noch unklar. Elias behauptet aber, dass es ihm das Geld wert war und er jetzt nachts besser schlafen kann. Traurig eigentlich, dass sogar Namen und damit verbundene Herkunftsbilder käuflich und verkäuflich sind. Noch trauriger ist das wirkliche Problem. Nämlich, dass man als Ausländer in Österreich oft mit Schwierigkeiten und Ungerechtigkeit kämpft. Dass man in einigen Fällen schon alleine wegen dem Namen in der Bewerbung als weniger wert abgestempelt wird. Aber wer weiß: wenn ich beim nächste Mal, Samstag Abend, mit meinem besten Freund, Elias, in der 2Lounge sitze, hat er einen Job gefunden und sein Namenswechsel hat sich doch bezahlt gemacht.

 

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