Kleidervorschriften: Was soll dieses Kindergartengetue?

21. September 2023

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Bauchfreie T-Shirts sind nicht erlaubt. (C) Aedrian auf Unsplash (zugeschnitten)

Und schon wieder streiten wir über Röcke und Spaghettiträger. Diesmal ging es aber noch weiter: Eine katholische Privatschule hat vor kurzem eine junge Schülerin aus der Schule geworfen, weil ihre Mutter Kritik an den Kleidungsvorschriften geübt hatte. Denkt denn hier niemand an die betroffene Schülerin?

Von Mathias Psilinakis

Begonnen hat das Ganze mit einem Elternbrief: In der Schule sei auf „ordentliche“ Kleidung zu achten. Das bedeutet unter anderem: kein bauchfrei, keine Spaghettiträger und keine kurzen Röcke. Die Mutter der betroffenen Schülerin war damit nicht einverstanden, ihrer Meinung handle es sich hierbei um „patriarchales Verhalten“ und eine „Unterdrückung des Feminismus“. Der Entschluss der Schule sei sogar „faschistisch“.

Die Reaktion der Schule auf diese Aussagen? Der Schulvertrag wurde gekündigt, auch nachdem sich die Mutter für ihre Wortwahl entschuldigt hatte. Der Betreiber der Schule sei sich bewusst, dass primär die Schülerin unter dieser Entscheidung leidet. „Uns tut das auch leid. Aber das Kind muss in dem Fall die Konsequenzen für das Handeln der Mutter tragen.“

Die Diskussion um Kleidungsvorschriften an Schulen ist nicht neu. Man erinnere sich etwa an die Salzburger Mittelschule, deren Direktorin Ende Juni forderte, dass die Schülerinnen mit „angemessener Kleidung“ erscheinen - zum Schutz „der Burschen und unserer Lehrer“. Wirbel gab es neuerlich auch im niederösterreichischen Stockerau aufgrund einer Kleidervorschrift.

Klar, es ist ein schwerer Vorwurf, eine Kleidungsvorschrift als „faschistisch“ zu bezeichnen. Aber konservative (sexistische) Kleiderordnung und kontroverse Wortwahl hin oder her: Wieso muss das Mädchen für die Handlungen ihrer Mutter büßen? Das Mädchen hat sich übrigens immer an die Vorschriften gehalten. Und wird trotzdem von ihren Klassenkamerad:innen getrennt.

Das kann’s doch nicht sein! Es kann doch nicht sein, dass solch eine Debatte mit dem Ausschluss der Schülerin endet. Warum wird hier nicht das Gespräch gesucht? Mit welchem Beispiel wird hier vorangegangen, wenn in einer Auseinandersetzung auf die grundlegenden Strategien einer Konfliktlösung verzichtet wird und wenn Unschuldige für die Handlungen Anderer büßen müssen? Anscheinend hat sich die Schule etwas vom Verhalten ihrer Zielgruppe abgeschaut.

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