"Mit uns statt über uns"

20. November 2019

Anlässlich des Integrationsgipfels am 2. Dezember sprach Biber mit Veranstalter Dino Schosche über eingeladene PolitikerInnen und das Zusammenleben der Migranten in Wien. 


 

Biber: Sehr geehrter Herr Schosche, was waren ihre Beweggründe, den 1. Integrationsgipfel in der Hofburg zu organisieren? 

Dino Schosche: In Österreich wird gerne ÜBER MigrantInnen geredet. Sei es im positiven oder auch im negativen Kontext. Nur selten wird MIT ihnen gesprochen. Bei dem Integrationsgipfel geht es um die Förderung des gemeinsamen Dialogs auf Augenhöhe. Wir wollen alle Akteurinnen und Akteure auf einen Tisch bringen, sodass mit uns statt über uns gesprochen wird.

 

Was lange hat es gebraucht, den Integrationsgipfel zu organisieren?

Ich bereite mich praktisch seit mehreren Jahren auf dieses Projekt vor. Durch den Integrationsgipfel werden wir politischer, konkreter und direkter. Als ich mit den Integrationswochen vor knapp zehn Jahren angefangen habe, hat sich herausgestellt, dass es weitere Initiativen braucht, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken. 

 

Denken Sie, dass die Integration in Wien gelingt? Sie haben selber einen Ex-Jugoslawischen Migrationshintergrund.

Wir haben in Wien knapp 60% an Bürgerinnen und Bürgern mit internationaler Geschichte. Zudem zählt Wien bekanntlich schon seit Jahren zu der lebenswertesten Stadt auf der Welt. Das wäre nicht so, würde die Integration nicht funktionieren. Die Politik behauptet leider oft etwas anderes, aber wir dürfen nicht vergessen, dass es dabei hauptsächlich um Parteieninteressen geht.  Die ex-jugoslawische Community hat es ein bisschen leichter als andere Communities, weil sie auf der Straße weniger sichtbar ist. Bei mir kann man beispielsweise nicht sagen, ob ich „Dino“ oder „Wolfgang“ heiße. Gruppen, die nicht so aussehen wie ein „Wolfgang“ oder „Peter“, habe es natürlich schwieriger, obwohl sie im Großen und Ganzen gut integriert sind. 

 

Was wären ihrer Meinung nach Maßnahmen, um Integration zu fördern?

Die Integration kann nicht ohne Teilhabe funktionieren, daher müssen unsere Institutionen die Vielfalt der Gesellschaft auch abbilden. Ein Wahlrecht für alle, die zum Beispiel länger als fünf Jahre in Österreich leben, wäre ganz wichtig. Denn unsere Demokratie wird die Tatsache, dass 1,2 Millionen unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger nicht wählen dürfen, nicht lange vertragen. Und ganz pragmatisch, die einen müssen erkennen, dass der Geburtsort kein Diplom ist und die anderen, dass man nicht Jahrzehnte 50 Wochen im Jahr irgendwo leben kann, um für zwei Wochen „nach Hause“ zu fahren. Zusätzlich wäre es für alle sehr hilfreich, wenn manche Politiker, die mit unseren Steuergeldern bezahlt werden, weniger hetzen und sich mehr um die sachliche Arbeit und die eigentlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft kümmern. Vorausgesetzt natürlich, dass sie geistig dazu im Stande sind. 

 

Welche PolitikerInnen werden am Integrationsgipfel teilnehmen?

Ich würde mich über Sebastian Kurz und Norbert Hofer freuen. Trotz Einladungen werden sie nicht teilnehmen. Es gibt aber auch gute Nachrichten, Pamela Rendi-Wagner, Werner Kogler und Beate Meinl-Reisinger sind dabei. 

 

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