Von Sarma und Heimweh zu Weihnachten

07. Januar 2016

Slava Slava

Slava
Foto by Marko Mestrovic

Zwischen 24. Dezember und 7. Jänner leide ich, konstant und im Verborgenen, an Weihnachtsmelancholie. Ich bin nicht äußerst gläubig und auf christliche Werte bedacht. Wenn Beruf und andere Verpflichtungen es mir nicht erlauben, über die „Feiertage“ die eigenen Verwandten zu besuchen, so fehlt mir, ganz besonders in dieser Zeit, der wesentliche Faktor, um den es an Weihnachten geht: die Familie.

Seinen Anfang nimmt dieser 14-tägige Leidensweg am katholischen Heiligabend, wenn die meisten mir bekannten Menschen „ohne Migrationshintergrund“ zu ihren Familien fahren, Gruppen-Weihnachtswünsche und Bilder ihrer unheimlich kitschig geschmückten Weihnachtsbäume versenden. Man berichtet mir von geglückten Weihnachtsgeschenken und von solchen, die ihr Ziel verfehlt haben. Man erzählt sich beim  jährlichen, mitternächtlichen 24.-Dezember-Besäufnis Geschichten über familieninterne Streitereien und darüber, wie sehr Tante Gerta nervt, wie betrunken Onkel Franz war. Man beschwert sich über Verwandte, die einem jedes Jahr vorwerfen, dass 10 Jahre Studium nun langsam ihr Ende finden müssten. Man schimpft über Großeltern, die einen zwischen Vorspeise und erstem Gang darüber informieren, dass nun der Ernst des Lebens beginnen würde und es nun an der Zeit wäre, irgendjemanden - wirklich, irgendjemanden - zu heiraten. (Die Zeit um Ansprüche zu stellen, sei nun längst vorbei.)

 

Das Ende dieses Leidensweges bildet das orthodoxe Fest. Bis ich des Studiums wegen nach Wien von zuhause fortging, wurde im kleinen Kreis auf unsere eigene Art und Weise gefeiert. Meine Eltern, meine Schwester und ich. Eine Kerze, Sarma, Brot mit einer Münze gefüllt, ein bisschen Wein – kein Kirchenbesuch, Spanferkel oder sonstiges. Ich genoss dieses Beisammensein sehr - bedauerlich war jedoch, dass es nicht möglich war, diesen kleinen Kreis um weitere Verwandte und Großeltern, solange diese noch am Leben waren, zu erweitern. Und auch dieser Kreis findet, seit einigen Jahren, berufsbedingt nicht mehr zusammen. Heute sitze ich der biber-Redaktion und meine weihnachtlichste Tat ist es, diesen Artikel zu verfassen und an mein erstes und letztes richtiges Weihnachtsfest im Sommer 2013 zu denken.

 

39 Grad im Schatten und 4 Generationen auf einem Fleck.

Meinem Großvater ging es gesundheitlich sehr schlecht, und so machten sich alle Familienmitglieder auf den Weg, ihn noch einmal zu besuchen. Angereist kamen 14 Leute aus der Schweiz, Slowenien und Österreich. Geprägt waren diese 4 Tage von ständigem Geschrei, Kindern, die stets Gründe fanden zu weinen, gutem Essen und unendlich vielen Konflikten - mein liebstes Weihnachten bisher!

In diesem Sinne, Hristos se rodi, C Рождеством und Kellemes Karacsonyiunnepeket!

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