2 Fäuste für 1 Halleluja

19. Oktober 2011

Er hat mit Mike Tyson trainiert und von Wladimir Klitschko ordentlich aufs Aug’ bekommen. Heute trainiert die ehemalige Nummer fünf der Weltrangliste und achtfache Staatsmeister Biko Botowamungu im Gemeindebau und kämpft als Prediger im Namen Gottes.



Ein Stöhnen erfüllt den Raum, der Schweiß rinnt, keine Faser bleibt trocken.In der stickigen Trainingshalle im Karl-Seitz-Hof im 21. Wiener Gemeindebezirk findet gerade das kräftezehrende Zirkeltrainig der Nachwuchstalente des Boxclubs Floridsdorf statt. Manchen ist vor Anstrengung schon ganz schlecht, aber aufgeben traut sich keiner. Nicht wenn ihr großes Idol der ehemalige Boxchamp Biko Botowamungu da ist und trainiert. Da heißt’s durchbeißen und vor dem Schwergewichtler eine gute Figur machen, um möglichst positiv aufzufallen, vielleicht den ein oder anderen Tipp abzustauben oder sogar das unfassbare Glück zu haben, vom Profi für ein kleines Training in den Ring zitiert zu werden.


Botowamungu vs Mike Tyson
Biko, ein 119-kg-Schwergewicht wärmt sich im hinteren Teil der Halle am Boxsack auf. Wenn sich der 54-jährige Koloss in Bewegung setzt und mit voller Wucht in den Sandsack drischt, dass dieser fast aus der Verankerung fliegt, kann man nur erahnen, welche Schlagkraft diese Fäuste in ihrer besten Form hatten.
Acht Staatsmeistertitel trug er für Österreich nach Hause, die Weltrangliste kletterte er auf Platz fünf hinauf und stand mit insgesamt 15 Weltmeistern im Ring. Unter ihnen auch Wladimir Klitschko, Chris Byrd, Corey Sanders und auch Mike Tyson, mit dem er ein Jahr lang von Montag bis Freitag acht Stunden am Tag trainierte – bis er gefeuert wurde. „Mike hat beim Kampf immer geklammert. Das konnte ich absolut nicht leiden und habe ihn geschlagen oder weggeschubst. Ich hab’s ihm nicht leicht gemacht. Eines Tages hatte er keine Lust mehr und hat mich rausgeschmissen“, erzählt der Champ, der gerne so dick aufträgt wie sein Bizeps groß ist.

Heute trainiert er nur mehr zum Spaß mehrmals wöchentlich im Gemeindebau.
„Wenn du das dein ganzes Leben lang gemacht hast, bist du das deiner Gesundheit, aber auch deinem Geist schuldig. Es stärkt mich, macht mich hart. Man lernt Niederlagen einzustecken und dann auch wieder aufzustehen – Qualitäten, die man in jeder Lebenslage brauchen kann.“ 

 

 

 



Faustdick
Niederlagen musste der Riese aus dem Kongo viele verkraften. Die größte: Bei den olympischen Spielen 1988 in Seoul, wo er für Österreich Gold holen sollte, unterlag er Riddick Bowe schon in der zweiten Runde.
„Der Druck war irrsinnig groß. Viele wichtige Leute – unter anderem Arnold Schwarzenegger  und seine Frau – waren da und feierten mich praktisch als Sieger. Außerdem war ich schlecht vorbereitet, drei Monate hatte ich schon kein Sparring mehr gehabt. Ich war wie ein Soldat, der ohne Schießübungen, in den Krieg zieht“, erzählt er heute ganz entspannt.
Für Österreich zu boxen war auch sonst keine einfache Sache, denn seinen Lebensunterhalt konnte Biko damit nicht bestreiten. Er arbeitete nebenbei – oder besser gesagt hauptberuflich – als Security für die Vereinten Nationen und beschützte etliche Staatsmänner.

 


 „Ich war gut in meinem Job und habe viele berühmte Menschen beschützt, z. B. auch den Staatsanwalt Giovanni Falcone, der von der Mafia verfolgt und schließlich ermordet wurde. In meiner Obhut war er sicher und ich war Gott sei Dank nie in wirklich brenzlige Situationen verstrickt“, erzählt Biko, der nach eigener Aussage auch 126 Kämpfe ohne einen einzigen Nasenbruch überstand.

Der Job als Security Guard war nervenaufreibend und zeitaufwendig, Zeit zum Boxen blieb nur wenig. Jeder Urlaub ging für Training und Kämpfe drauf.
Boxen als Fulltime-Job wäre in Österreich undenkbar gewesen, erzählt Biko.


Niemand hätte dafür Geld ausgeben wollen – anders als in den USA oder im Ostblock, wo Kampfport populärer war und die Athleten Geld hatten.


„Trotzdem: Ich hab’ sie alle verdroschen. Und dafür haben sie mich respektiert. Für mich persönlich einer meiner größten Erfolge“, erzählt das Schwergewicht großspurig.


Zu seiner Bestform gelangte Biko auch erst, als er Österreich 1992 den Rücken kehrte und nach Las Vegas zog.


Er stieg ins Profigeschäft ein, boxte gegen die ganz Großen und wurde vom armen, österreichischen Boxer zum Promi, der seinen eigenen Kofferträger, eine Strechlimousine samt Chauffeur hatte und mit Bill Cosby Whiskey trank, wie er nicht ohne Stolz erzählt. „Ich habe ein Mädchen nach dem anderen gehabt und bin von Party zu Party gezogen.“
1994 sollte sich vieles ändern.

 

 

 

 

 

 

 


The Spirit of Love
Es war zwei Uhr morgens irgendwo im US-Bundesstaat Virginia als Biko eine Begegnung der besonderen Art hatte, die ihn von Grund auf verändern sollte. „Mir ist Jesus Christus erschienen. The Spirit of Love. Er hat zu mir gesprochen und gesagt ich solle mich ändern, mich an seine Gebote gehalten, dann werde er mich segnen. Eine wundervolle Stimme hat mich durchströmt. Das war so beeindruckend, ich kann es gar nicht beschreiben“, erzählt der Boxer voller Elan. Wie Jesus Christus aussieht? „Er ist mir als Geist erschienen: also ohne Körper. Aber er hatte ein Gesicht, einen langen weißen Bart.  Eigentlich so, wie man ihn sich vorstellt.“
Biko war bis dahin kein besonders gläubiger Mensch, wie er sagt. Mit Gott habe er es bis dahin nicht so gehabt – eher mit Alkohol, Frauen und Partys.
„Mir war das selbst teilweise unheimlich, wie sehr mich das alles verändert hat. Alles was ich zuvor liebte, hasste ich plötzlich. Und das was ich hasste, liebte ich. Der alte Biko ist gestorben und wurde als völlig neue Person wiedergeboren.“
Plötzlich hätte er keine Lust mehr auf Frauenjagd gehabt, oder um die Häuser zu ziehen. „Geld und Ruhm waren mir nicht mehr so wichtig. Ich wollte nur mehr Gott dienen.“

Zwei Jahre später kehrte Biko nach Österreich zurück. Er ist Vater von sieben Kindern von zwei Frauen und hat einen neuen Beruf ergriffen, der ihn „durch und durch erfüllt“. Biko legt sich jede Woche als Prediger für die Baptistengemeinde Wien ins Zeug. „Ich wünsche allen Menschen, dass sie das erleben, was ich erlebt habe und an Gott glauben. Das ist mein größter Wunsch.“


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Von Anna Thalhammer und Lucia Bartl (Fotos)

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