Christmas alone - here I go!

06. Januar 2015

Ich bin serbisch-orthodox  und bei mir ist heute Heilig Abend (6.1.), morgen ist dann folglich Weihnachten(7.1.). Und heute feiere ich das erste Mal Weihnachten in Wien, alleine. Meine Familie ist in München und ich muss arbeiten, danke biber :). Eine Hommage an das traurigste Weihnachtsfest meines Lebens.

Dieses Weihnachten ist anders.  Das ist das erste Weihnachten, dass ich ohne meine Familie verbringen werde. Und ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was ich am 6. und 7. Jänner genau tun soll. Die tollen Gerichte meiner Mama nachkochen? Eher negativ, ich bin noch keine gute serbische Hausfrau. Alleine warme Rakija trinken? Ich mag mich nicht wie eine Alkoholikerin fühlen. Mit dem Badnjak im Ofen rumwirbeln? Das grenzt dann schon an Irrsinn.

Alleine machen Bräuche und Traditionen keinen Spaß – das steht fest. In die Kirche gehen kann man zwar auch alleine. Und das wird wohl auch das Einzige sein, was ich dieses Weihnachten tun werde, traditionsmäßig gesehen. Den Tag und Abend werde ich glücklicherweise mit Freunden verbringen, blöde Weihnachtsfilme gucken und mich bekochen lassen -  ich bin wirklich keine Hausfrau.

Pita, Bohnen und Schnaps – was einmal war

Eigentlich ist es der Heilig Abend, an dem wir alle zusammenkommen, der für mich Weihnachten ausmacht. An diesem Tag gehe ich mit Papa in die Kirche, wir holen den Badnjak (serbischer Weihnachtsstrauch), trinken warme Rakija und treffen dort Freunde der Familie. Am Abend gibt es dann noch die üblichen Bräuche wie das Reintragen des Badnjak oder auch das Deponieren von Walnüssen in die Ecken des Wohnzimmers. Und dann kommt der Teil, auf den sich jeder am meisten freut: Das Essen und Trinken. Pita mit Äpfeln, überbackene serbische Bohnensuppe (Prebranac), Fisch und viele andere Sachen, die man sonst nicht oft isst. Dazu viel Wein und Rakija, viel Lachen, viel Musik und Beisammensein. Wenn noch nüchterne Familienmitglieder vorhanden sind, fahren wir vor Mitternacht noch gemeinsam zur Kirche, um dort das Verbrennen des Badnjaks um Mitternacht zu feiern und Weihnachten einzuläuten.                                                                                                         

Am nächsten Tag – dem wirklichen orthodoxen Weihnachten – stehen wir  auf – eventuell etwas verkatert – schlucken  eine Knospe des Badnjaks mit Rotwein runter und beginnen damit den Weihnachtstag . Als ich klein war durfte ich im heißen Ofen mit dem Badnjak rumwirbeln und bekam Geld dafür, wenn ich das passende Weihnachtslied dazu auswendig konnte. Später wird dann noch einmal deftig gemeinsam gegessen: Spanferkel, Sauerkraut und und und.

Das ganze Essen ist ja schön, aber das was zählt ist, dass es der Tag im Jahr ist, an dem wir fix alle zusammenkommen, obwohl wir ziemlich verstreut sind. Und es sich dann so anfühlt, als wären wir immer am selben Ort und zwar das ganze Jahr.  

Genau, und dieses Jahr:  Keine Familie, kein Essen, keine Walnüsse, kein Weihnachtsbaum, keine Rakija und keine Geschenke. Also liebes biber-Team, ich hoffe, dass mich zu Weihnachten Geschenke und Rakija in der Redaktion erwarten werden! :)

In diesem Sinn wünsche ich jedem, der serbisch/russisch orthodoxes Weihnachten feiert, ein frohes und besinnliches Fest mit seiner Familie- oder eine große Packung Schoko-Eis für die Familysingles an Christmas!

 

Mir Božiji - Hristos se rodi! Srećan vam Božić!

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