DREHT EUCH MAL UM, JUNGS!

09. Juli 2015

Wenn du von Gott und Schweiß geformte Männerkörper bewundern magst, geh' zum Esterhazy-Park. Die "Calisthenics" posen dort mit ihren Edelstahl-Bodies und versetzen Jungmütter vom Kinderspielplatz in frühlingshafte Wallungen.

Von Adnan Muminovic

Fitness, Männer, Wien, Training, Viech
Foto by Susanne Einzenberger

Neun Uhr morgens im Esterhazy Park. Junge Mütter sehen ihren Kindern beim Rutschen und Schaukeln zu. Aus den Boxen dröhnen fette Hip-Hop-Beats. Ich bin verwundert. Von den Mamis kommt die Musik nicht. Mein Blick wandert weiter und ich fühle mich kurz wie am „Venice muscle beach“. Tätowierte, muskelbepackte Jungs in Jogginghosen feuern sich gegenseitig an. Der Name der Adonis-Versammlung: Calisthenics.

90KG, 4% Fettanteil

Dave aus New York erklärt mir die Philosophie: „Die meiste von uns sind aus der Breakdance-Szene. Und wenn man fünf bis sechsmal die Woche gemeinsam trainiert, dann sieht man auch fit aus.“ Fit ist untertrieben. Der Fitnesstrainer Günther fügt hinzu:“Ohne Eiweiß wirds nix mit dem breiten Kreuz, deswegen hauen wir beim Essen ordentlich rein.“ Günther wiegt 90kg und hat einen Körperfettanteil von nur vier Prozent. Vier Prozent! Nach einem Blick auf mein Bäuchlein, schaue ich den Profis lieber zu, bevor ich mich an die Stangen traue. Aber die „human flag“ sieht geil aus. Dafür muss man sich im 90 Grad Winkel an einer Stange festhalten und durchstrecken. Wie ich die schaffe ohne mir dabei in die Hose zu machen, will ich wissen? Unter zwei Jahren Training geht da nix – antworten die Jungs.

Calisthenics sind Amis, Franzosen, Ungarn, Ösis. Mitmachen darf jeder, solange Chef Dave ihn sympathisch findet – und die Anwärter keine Fastfood-Junkies sind.

„Dann will ich mitmachen“, schreie ich euphorisch heraus. Dave schmunzelt und tastet meine Oberarme ab. „In zwei Jahren kannst du wiederkommen.“

Verdammt, zwei Jahre klingen hart, aber bis zur Pension sollte ich den „human flag“ beherrschen – und dann lieben mich die Damen im Pensionistenheim. 

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