Geheimakte: Little Russia

07. Juli 2010




Über der Donau im 22. Bezirk  haben sich Russen ein rätselhaftes Dorf gebaut und es zu ihrem Staatsgebiet erklärt. Zutritt nur auf Einladung. biber hat einen Blick hinter die streng bewachten Stadtmauern geworfen.

Von Eva Kormout (Text) und Lucia Bartl  (Foto)

Du hast großes Glück gehabt. Normalerweise kommt man hier nicht so einfach hinein“, sagt Ivan, der mich auf meiner Undercover-Mission begleitet. „Hier brauchst du eine Einladung, und dein Besuch muss vom Vorstand genehmigt werden. Selbst eine russische Staatsbürgerschaft ist keine Garantie“, sagt Ivan, der hier wohnt. Die Sicherheitskontrolle ist mehr als mühsam. Ich werde von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Sogar Identität und Beruf meiner Eltern werden abgefragt. Was ich hier mache, und wen ich besuche, will man wissen.

 

Shops, Sauna und Spielplätze

Rund 500 Russen wohnen in dem Dorf mitten in der Stadt, das es seit 1979 gibt und das offiziell zur Botschaft gehört. Für einen Außenstehenden scheint das Leben hier perfekt. Kinder spielen auf der Straße, Autos gibt es keine. Unabgesperrte Roller und Fahrräder stehen am Straßenrand, und niemand klaut sie. Sport- und Spielplätze sowie eine Sauna beleben das Freizeitangebot. Auch eine Mittelschule, ein Lebensmittelladen und eine kleine Bar finden sich auf dem Areal. Hier gibt es alles, was man zum Leben braucht. Ist man einmal drinnen, scheint die Außenwelt irrelevant. In Little Russia lebt es sich sicher und idyllisch. Nur der drei Meter hohe Metallzaun sowie unzählige Kameras erinnern daran, dass dieses Gefühl auch ihren Preis hat.

Als Ivan und ich weitergehen, sehe ich einen Laden, der offen hat, obwohl Feiertag ist. Ivan erklärt mir, dass  hier die russischen Feiertage gelten. Gut zu wissen. Ich kaufe mir eine Packung Milch für zuhause, die ich zum Glück in Euro bezahlen kann.

 



 






Das große Geheimnis

Offiziell gehört das Gebiet zur russischen Botschaft, aber seit wann gibt es in einer Botschaft Tennisplätze und Bars? Und warum wohnen hier Menschen, die gar nicht für die Botschaft arbeiten? Was hat es mit dem Baujahr 1979 auf sich, und wie groß ist die Fläche? Wer hat das Dorf gebaut, und was geht hier wirklich vor? Als ich Nadya, eine Bewohnerin, frage, ob sie mir Auskunft zu Kleinmoskau geben kann, ist ihre einzige Antwort: „Wir wissen auch nicht mehr als ihr Außenstehende.“

 

Meine drei Wochen andauernden, hartnäckigen Recherchen bleiben erfolglos. Anrufe in der Erzherzog-Karl-Straße werden abgewimmelt, man solle sich an die Botschaft wenden, heißt es. Dort scheint sich aber niemand für diese Angelegenheit zuständig zu fühlen. Ständig wird man weiterverbunden, bis man schließlich wieder dort landet, wo man begonnen hat. Das Magistrat für Stadtplanung und -entwicklung verweist auf die Baupolizei, und diese wiederum sagt, sie wisse nichts über diese Geschichte. Natürlich würden Pläne vorliegen, die aber nur mit Vollmacht des Grundstückeigentümers einzusehen wären. Und nachdem der Eigentümer der russische Staat ist, wäre dann die nächste Kontaktperson der Präsident.

Auch Nachfragen in der UNO-City ergaben nichts, und selbst meinen russischen Freunden ist der Gebäudekomplex unbekannt: „Was bitte? Davon hab ich noch nie gehört“, antwortet Peter. „Nein, keine Ahnung“, sagt auch Dimitri. 
Sehr mysteriös, die ganze Geschichte dieser kleinen russischen Enklave mitten in Wien. Eine Mauer bleibt eben doch eine Mauer, selbst für diejenigen Menschen, die hinter ihr leben. Aber auch fehlende Informationen sind etwas, worüber man sprechen kann.

 

Weißt du mehr über das mysteriöse Dorf? Hinweise an: redaktion@dasbiber.at

 

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Kommentare

 

Ist zwar ein Bau aus 1985, aber wenn ihr lieb seid mache ich euch Pphotos von echt klein Russia. Hrhr.

 

habts nmed einfach google bemüht? steht eh alles im internet...

http://www.russischeskulturinstitut.at/contacts/

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