Ich hatte Sex, obwohl ich nicht wollte.

05. Oktober 2016

von Anonym

Die Geschichte, als er mein Nein nicht akzeptierte.

Spulen wir mal ein halbes Jahr zurück. Ich hatte damals seit einigen Monaten was mit einem Typen - nennen wir ihn Markus – und es war auch ganz nett, aber eben nur nett, ER war nur nett. Wie jeder weiß, ist nett der kleine Bruder von langweilig und lange Rede kurzer Sinn, ich kam immer näher zu dem Entschluss, dass er mir eben zu nett war und ich es beenden sollte. Doch dann kam Valentinstag. Ich bin gar nicht der Typ für Valentinstage. Ich finde diesen Tag übertrieben und ich finde es heuchlerisch, wenn man seinem Partner oder Geliebten rotes, schokoladiges Zeug kauft, nur weil es eben Valentinstag ist und man das dann eben so macht. Das finde ich scheiße. Ich wollte mich auch nicht mit ihm treffen und habe ihm das sogar gesagt, aber er bestand vehement darauf, dass wir uns an diesem willkürlichen Tag des Rosenkonsums sehen müssten.

„Ach komm schon“

An diesem Tag dann ging es mir so schon richtig beschissen, was ich ihm auch sagte. Ich wollte an diesem Tag eigentlich alleine sein und meine Ruhe haben, aber wie schon erwähnt, war das nicht in Markus' Sinn. Ich dachte mir, es ist ja eh irgendwie lieb, dass ihm dieser „Tag der Liebe“ so wichtig ist. Also stimmte ich zu, sagte ihm aber, ich wolle zu Hause bleiben und einfach Film schauen oder so. Gesagt, getan. Er kam am Valentinstag zu mir, außer uns war sonst keiner da und wir schauten auf der Couch irgendeinen Film. Ich hab' mich nicht mal umgezogen und blieb einfach in meinem Schlafshirt und ich weiß auch nicht mal mehr welcher Film es war.
Trotz seines „Optimismus“ war ich an diesem Tag einfach von vornherein schon komplett deprimiert, mit den Gedanken ganz woanders und wartete eigentlich nur darauf, dass er endlich wieder ging und ich dann meine Ruhe hatte. Aber irgendwann bekam er dann wohl Lust auf Sex, denn er fing plötzlich an, meinen Mund und meinen Hals zu küssen. Ich ließ es halbherzig zu – weniger aus Lust als aus Trägheit. Ich war einfach zu niedergeschlagen, um mich viel zu Wort zu melden. Er wusste eigentlich, dass ich deprimiert war, aber das schien ihn nicht abzuhalten. Als er dann auch noch anfing, mich anzufassen, nahm ich seine Hand weg und sagte ihm, dass ich nicht in der Stimmung war. Ich sagte ihm, dass ich keine Lust auf Sex hatte und es mir auch generell nicht besonders gut ging. Seine Antwort darauf: „Ach komm schon.“ Er dachte, er könnte mich sicher umstimmen, wenn er ein bisschen an mir rumspielte. Ich sagte also nochmal, dass ich keine Lust hatte, versuchte ihn wegzuschieben und wieder ignorierte er es.

Ich dachte, es geht schneller vorbei, wenn ich ihn einfach machen lasse“

Um euch weitere Details zu ersparen und es etwas kürzer zu halten: Er akzeptierte kein Nein und holte einfach seinen Penis raus. Egal, wie oft ich nein sagte und ihn wegdrückte, er ignorierte es und so schnell konnte ich gar nicht schauen - ich hatte nicht mal gesehen, dass er seinen Penis draußen hatte – da war er drinnen. Zugegebenermaßen – was es meiner Meinung nach aber nicht besser macht – waren alle meine Versuche, ihm klarzumachen, dass ich nicht wollte, sehr träge. Ich war die ganze Zeit sehr ruhig und wurde auch nicht laut, als ich ihm sagte, dass ich nicht wollte. Ich kann es nur wiederholen: Ich war schon den ganzen Tag niedergeschlagen und schlichtweg zu emotionsmüde um meinen Standpunkt besonders bestimmt und hart rüberzubringen. Trotzdem heißt Nein aber Nein und es macht für mich kaum einen Unterschied, ob es ein bestimmtes, lautes Nein oder ein deprimiertes und ruhiges Nein ist - für ihn anscheinend schon.  Als er dann in mir drinnen war, hab ich es aufgegeben und gedacht, es ist einfacher und schneller, wenn ich ihn einfach lasse und es „aussitze“. Es hat auch Gott sei Dank nicht lange gedauert, dann hab ich „die Spuren beseitigt“ und so weit ich mich erinnern kann, ist er dann auch bald gegangen.

Ein Anrecht auf Sex?

Anscheinend war für ihn Valentinstag gleichzusetzen mit „Ich hab' ein Anrecht auf Sex“. Ich weiß noch, dass ich ihm auch gesagt hatte, dass ich es scheiße von ihm fand, wie er mich einfach ignoriert hatte, obwohl ich eindeutig nicht wollte. Ich hab' damals anscheinend nicht wirklich verstanden, was das war und es schnell wieder verdrängt. Es ging aber trotzdem nicht besonders lange mit uns weiter und ich habe es bald beendet. Ich hatte dieses Erlebnis fast komplett verdrängt, bis ich vor Kurzem mit einer Freundin über ein ähnliches Erlebnis von einer Bekannten geredet habe und mir bewusst wurde, dass ich ja selbst auch mal in so einer Situation gewesen war. Ich war echt geschockt, dass ich mir dessen vorher gar nicht bewusst war.

Es ist nicht okay.

Ich weiß nicht ganz, was damals in mir vorging, aber ich habe mir wohl selbst eingeredet, dass es nicht so schlimm ist, weil wir davor ja schon öfter Sex gehabt hatten. Aber jetzt, im Nachhinein, ist mir erst bewusst geworden, dass es sogar sehr schlimm und absolut nicht okay war! Ich weiß immer noch nicht ganz, was das war. Meine Freundin meint, dass es eigentlich Vergewaltigung war, da ich sehr deutlich zu verstehen gegeben hatte, dass ich keinen Sex mit ihm wollte, und er es ignoriert und trotzdem gemacht hat. Ich hab' seit dem Gespräch auch dauernd daran denken müssen und fühle mich richtig eklig. Ich weiß  nicht, wie mir nicht bewusst sein konnte, was er da eigentlich gemacht hat. Ganz egal, als was man das nun bezeichnen will, er hat mein Nein nicht akzeptiert. Aber fast genauso schlimm finde ich, dass ich tatsächlich gedacht habe, es wäre nicht so schlimm. Ich schulde niemandem Sex. Egal welcher beschissene Tag es ist und wie lange man schon etwas miteinander hat. Wenn man nicht mit jemandem schlafen will, dann sollte man das auch nicht tun müssen – niemals!

Ihr schuldet ihm niemals Sex

Das ist auch der Grund, warum ich mich entschlossen habe, darüber zu schreiben. Mir ist klar geworden, dass viel zu viele Frauen denken, sie müssten mit jemandem schlafen, weil sie ihm das schulden. Vielleicht weil er so nett und lieb war, vielleicht weil er ja die ganzen Drinks im Club bezahlt hat, vielleicht weil es ja sein Geburtstag oder Valentinstag ist, vielleicht auch einfach, weil er Lust drauf hat und man ja mit ihm zusammen ist. Aber nein, ihr schuldet nie und unter keinen Umständen irgendjemandem Sex – niemals! Wenn ihr es nicht wollt, sollte ein einziges Nein, egal wie leise es ist, ausreichen, damit er aufhört. Ganz egal ob ihr wild um euch schlägt, oder ihn einfach nur wegdrückt, ob ihr laut schreit oder ganz ruhig nein sagt. Nein bedeutet immer Nein und sollte auch in jeder Sprache, Tonart und Lautstärke ernst genommen und als solches akzeptiert werden.

 

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