Makedonien: Im Land von Alexander und Tito

28. September 2010

 Die besten Hochzeiten, der schönste See und überall grüßen Alexander der Große und Tito. Willkommen in der ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien.

Von Ivana Martinović

An Alexander dem Großen kommt man in Mazedonien nicht vorbei. Schon gar nicht am Flughafen in der Hauptstadt Skopje, wo ich ankomme. Er trägt den Namen „Skopje Alexander the Great Airport“. Vielen Griechen wird das sauer aufstoßen. Sie mögen es gar nicht, wenn sich die slawischstämmigen Makedonier mit Alexanders berühmtem Namen schmücken. Bei der Namensgebung des Flughafens im Jahr 2006 protestierte die griechische Außenministerin Bakoyannis, weil sich die Makedonier mit dem Großgriechen Alex schmücken. Nicht nur der berühmte Vorfahre ist ein Streitpunkt zwischen den beiden Ländern. Auch der Landesname Makedonija (auf Deutsch: Mazedonien) sorgt für eine nie enden wollende Fetzerei zwischen den zwei Völkern. 
(siehe Infobox: Namensstreit)

Brandgefährlich

Was lockt am Balkan die Gäste an? Nicht nur Kulturgüter, sondern die geilsten Hochzeiten, wie auch in meinem Fall. Goce, der Bräutigambruder holt mich vom Flughafen ab und fährt in die 173 km entfernte Stadt Bitola. Gäste fahren nicht mit dem Taxi. Sie werden abgeholt. Obwohl die Taxifahrt auch erschwinglich wäre – 75 Euro in diesem Fall. Als Info für Raucher sagt uns Goce, dass wir unsere Zigarettenstummel in Makedonien nicht auf die Straße schmeißen dürfen – außer wir wollen um 50 Euro erleichtert werden. Bei 40 Grad Sommertemperatur ist das Land ziemlich brandgefährdet. Während meiner Fahrt durch die Nacht sehe ich brennende Wälder, die aus der Ferne wie ein Lavastrom ausschauen. In Bitola stürmt mir die ganze Bräutigamfamilie entgegen. Die mazedonische Familie gibt sich Mühe Serbokroatisch zu sprechen, weil sie es noch aus der Jugoslawienzeit kennt. Makedonisch hört sich für uns Bosnier an wie für Wiener der Vorarlberger Dialekt. Also nix gut verstehen!

Airport-Taxi:
Vom Flughafen Skopje fahren die Airport-Taxis in jede mazedonische Stadt und zurück.
Von Skoplje nach Bitola – 173 km
Kosten: 75 Euro
Taxifahrt in der Stadt: 50 Cent pro Kilometer

Hochzeit auf Mazedonisch
Die Balkanvölker wissen wie man feiert. Die mazedonische Feierlaune übertrifft allerdings alles. Um 12 Uhr Mittag klopfen schon die Trubaci (Band mit Trompete, Trommel und Harmonika) an die Tür. Sie singen und spielen ohne Ende. Langsam trudeln auch die „kumovi“ (Trauzeugen) ein, die riesige Geschenke in den Händen halten. Der Bräutigam Igor fängt sein Eheglück mit einem Ritual an. Ein volles Glas Wasser wird ihm auf die Türschwelle gestellt. Er muss es mit dem Fuß umstoßen. Sein Glück soll so leicht wie das Wasser fließen. Dann fahren alle Hochzeitsgäste zur Braut. Dort wird getanzt, gegessen und nach einer Stunde geht es zurück nach Bitola in die orthodoxe Kirche. Der Pope setzt dem Brautpaar goldene Kronen auf, mit denen sie drei Mal um den Altar gehen. Nach der Trauung gratulieren die Hochzeitsgäste und küssen die Kronen der Brautleute. Nach der Zeremonie fängt der Spaß erst richtig an. Jetzt wird richtig abgefeiert. Im riesigen Hochzeitssaal bleibt die Tanzfläche bis in die Morgenstunden gefüllt. Jung und Alt wiegen im gleichen Tanzschritt – Kolo. Solche Tanzschritte habe ich am Balkan noch nie gesehen.

Kyrillische Analphabetin
Am nächsten Morgen schlägt mein Exjugo-Herz wie verrückt, als ich in Bitola bummeln gehe. Überall fahren alte YUGO-Autos, die mich in die Kindheit zurück versetzen. Meine Eltern besaßen einen roten YUGO. Das Flair der Stadt mit der Carskija (Stadtzentrum) erzeugt bei mir Heimatgefühle. Die Shops, Cafés und der Bazar sind ähnlich wie in Bosnien und ich frage mich, warum wir uns so gern von einander unterscheiden, wenn wir uns so ähnlich sind. Nur die kyrillische Schrift löst bei mir Hilflosigkeit aus. Die Speisekarten in den Restaurants kann ich nicht lesen. Auch die paar Buchstaben, die mir noch aus meiner jugoslawischen Schulzeit in Erinnerung geblieben sind, helfen nicht weiter. So bestellte ich jedes Mal Cevapi.

 

Tito vs. Alex
In mazedonischen Städten ist nicht nur Alexander der Große allgegenwärtig. (Fragt man die Makedonier nach ihm, bessern sie aus und sagen: „Meinst du Aleksandar Makedonski?“) Auch Tito ist überall zu sehen. Verkaufsschlager auf Marktständen sind Tito-Shirts mit der Aufschrift „Komm zurück, wir verzeihen dir!“. Auch der Zollbeamte am Flughafen steht auf Tito (so wie viele Mazedonier) und als er meinen kroatischen Pass sieht, will auch seine Freude über meinen Besuch nicht verbergen. Er sagt, wie schön es damals war, als wir noch alle ein Volk waren. Und nun sind wir zerstreut. „Ivana“, sagt er zum Schluss, „Komm Mazedonien wieder besuchen. Wir sind noch immer Landsleute!“ Und welches Souvenir nimmt man sich mit: Tito oder Alex?

Stolz auf Ohrid und den See
Seit ich makedonischen Boden betreten habe, höre ich immer irgendwen vom Ohrid-See schwärmen. Auf diesen See sind die Makedonier tatsächlich sehr stolz. Der Bus nach Ohrid hält fast in jedem Ort und die Fahrt dauert lange. Um sich die Zeit zu vertreiben, greift der Busfahrer auch oft zu seinen Zigaretten, und pafft eine nach der anderen. Das darf nur er. Im Bus ist eigentlich striktes Rauchverbot. Probleme mit der Unterkunft gibt es in Ohrid keine. Am Busbahnhof warten zahlreiche Einheimische mit Schildern, auf denen Apartman (Appartement) geschrieben steht. Aber wenn schon eine Unterkunft in Ohrid, dann auch im Namen Alexanders. Alle Ehre dem fünf Sterne Hotel Aleksandrija, das um günstige 60 Euro pro Nacht hohen Wohnkomfort bietet und auch noch direkt an der Seepromenade liegt.

Reisetipp:
OHRID-SEE
Übernachtung im 5-Sterne-Hotel Aleksandrija = ab 60 Euro/ pro Nacht
www.hotelaleksandrija.com

Vor allem shoppingfaulen Männern muss abgeraten werden, mit ihren Frauen nach Ohrid zu fahren. Modegeschäfte mit Wahnsinnspreisen und endlose Schmuckstände an der Seepromenade verleiten frau ständig dazu, Halt zu machen. Ein leerer Koffer vor der Reise nach Ohrid wäre nicht schlecht.

Mazedonien hat jedenfalls mein Herz gewonnen. In meinem Wohnzimmer steht jetzt die Büste von Aleksandar Makedonski und in meinem Schrank hängt ein Tito-Shirt, mit Titos Bild und der Aufschrift: „Samo vas gledam!“ (Damit ist gemeint: Ich beobachte euch, ihr Balkanvölker, was ihr aus meinem Erbe macht!)

P.S. für den makedonischen Zollbeamten:
„Ich komme wieder!“


Reisen mit Bus:
Von Skopje nach Ohrid – 176 km
Kosten: 7 Euro pro Person


Namensstreit
Griechenland beansprucht den Namen Makedonien für sich und verweist auf das kulturelle Erbe der antiken Makedonier, die aufgrund der Hellenisierung zum griechischen Volk gehören. Auch eine griechische Provinz heißt Makedonien. Die im Raum der Republik Mazedonien angesiedelten Slawen werden von den Griechen nicht als Makedonier anerkannt. Deshalb kämpfen beide Völker um die Landesbezeichnung „Makedonien“. Im internationalen Verkehr musste die makedonische Republik den Namen „Die ehemalige jugoslawische Republik Makedonien“ verwenden, weil sich Griechenland querstellte. Keines der beteiligten Länder will auf die Bezeichnung verzichten. Und so geht der Streit weiter.

Im Juni 2010 berichteten makedonische Medien, dass die makedonische Regierung die Bezeichnung Vardar-Mazedonien oder Mazedonien (Vardar) akzeptieren wolle. Unklar bleibt allerdings, ob dies nur gegenüber anderen Staaten oder auch innerhalb des Landes gelten solle.

 

 

 

 

 

Literaturtipp: 
Katsioulis, Christos:
Die griechische außenpolitische Identität im Namenskonflikt mit Mazedonien und im Kosovo Krieg.

 

 

Obwohl die Griechen den Stern von Vergina als geistiges Eigentum für sich beanspruchen, ziert er noch immer zahlreiche makedonische Fahnen, die zum Verkauf stehen

Bereich: 

Kommentare

 

in mir eine Reiselust für Mazedonien geweckt. Danke!

p.s. ich brauche UNBEDINGT auch ein Tito-shirt! :)

 

EH

Das Land heißt Republik MaZedonien! Das volk sind die Mazedonier (Slawen) im vergleich zu MAKEDONIEN und dem griechischen Volk der MaKedonen (unter anderem Alexander der Große, der GRIECHE war).

Sry, ich liebe Mazedonier, aber Tatsachen sind Tatsachen!

 

makedonien war in diesem fall balkanische absicht. nekazes macedonija, ni macedonci. a sta se tice povijesti....da je tako jednostavno, nebi se ljudi svadjali

 

Alexander war definitiv kein Grieche höchstens Makedone!
Zum griechischen Lebensstil, Kulturraum, Identität hat sich das damalige Königreich Makedonien nicht hingezogen gefühlt.
Im Gegenteil Alexander den Griechen die Schädel eingehaut und ziemlich deftig.

The Conquest of Greece

Philip spent the following months in Macedonia recovering from the injury, but there was no time to relax. The Greeks were uniting and assembling a large army, and as historian Peter Green observed 'if Philip did not move fast it would be they who invaded his territory, not he theirs’. As soon as he recovered, Philip assembled the largest Macedonian army yet, gave his 18-year-old son Alexander a commanding post among the senior Macedonian generals, and marched into Greece. The Greeks likewise assembled their largest army since the Persian invasion to face the Macedonian invasion. At Chaeronea in central Greece where the two armies met, the whole of Greece put 35,000 infantry and 2,000 cavalry on the field, while the Macedonians had 30,000 infantry and 2,000 cavalry. Although outnumbered, with suburb tactics and well coordination of the phalanx with the cavalry, the Macedonian ‘barbarian’ defeated the united Greek army. Among the Greeks, the Athenians, Thebans, and the Achaeans suffered the biggest losses. The ancient Roman and Greek historians, consider the battle of Chaeronea, on August 2nd, 338 BC as an end to Greek liberty and history. Greece will not regain its freedom from foreign occupation until early 19th century AD.

02. August ist in Mazedonien Staatsfeiertag ! ILINDEN ! dieser Tag wird als Tag der Befreiuung gefeiert.

 

Ilinden ist der kurzzeitige Aufstand gegen das Osmanische Reich in 1903. das damalige Datum war eigentlich der 20.juli aber nach dem neuen Kalender ist es der 2. August.
Darüber gibt es auch einen netten Streit mit Bulgarien.

 

@type

Darüber könnte man natürlich stundenlang diskutieren. Du kannst ein Volk nicht als rein slawisch bezeichnen, wenn nicht mal mehr die Griechen von heute so "griechisch" sind wie die Antiken Griechen.

U Got me?

 

macht Gusto auf Urlaub :-)))

 

Ähnliches Verhalten samt Argumentation ist schön ebenso in Österreich festzustellen, wenn du gut im Sport bist bist du Österreicher, wenn du stielst bist du jugoslawisch stämmiger Österreicher oder gleich Jugo.
Deshalb ist es komisch, daß die Griechen Tito nicht wollen aber den Aleks schon.
Nun ja, damals, in der guten alten Zeit, als es noch nicht den Begriff Nation gab und in der der Aleks geboren wurde, der im übrigen von seiner Mutter ständig gesagt bekommen hat, daß er ein Gott ist und sich auch als solcher gebärden darf und mit dieser Begründung darf man selbstverständlich als Gott höchstpersönlich ein paar Nachbarvölker abschlachten, also damals in der guten alten Zeit war es so etwas von egal, woher aus welchem Staat du kommt und wo du wohnst, du warst nie Grieche oder Römer oder Perser oder sonst was, das war nur im Handel und im Kriegsfall wichtig, sonst war es wurscht, denn das damaligen Mazedonien gehörte in der Zeit um Alexanders Geburt gar nicht so richtig zu Griechenland und Alexander war einfach nur ein kleiner Landadeliger der auch Griechisch konnte, damals hat man sich auch nicht als Grieche bezeichnet, sondern als der Mensch aus dem und dem Ort, steht ja schon in der Bibel, so, der Kaufmann aus Kafarnaum oder wie das Kaff heißt.

Und heute wollen die aus jedem dahergelaufenen Armeeführer gleich einen Griechen, oder Araber, oder irgendwas machen.
Als wäre das nicht egal.
Jesus Christus von Nazareth war ja auch Nordafrikaner, Israeli, eigentlich Italiener, stand ja damals alles unter italienischer Basatzung, wieso beansprucht denn keiner Jesus Christus aus Nazareth für sich, also ich sage, der Jesus war Itaker und der gehört nach Italien, wegen damals, also Seinerzeit.
Das ist genau die gleiche Argumentationsweise die jeder Staat für sich auch heute noch beansprucht.
Ich finde so etwas absolut lächerlich.
Hitler war ja auch Österreicher - oder ist er jetzt wieder plötzlich Deutscher, nur weil er nicht in Hollywood wie der Arnie gearbeitet hat. Der ist ja noch immer Österreicher und nicht Amerikaner. Oder etwa nicht?
LOL!

 

die frage über mazedonien habens sich schon viele nationen gestellt. vor hundert jahren die serben, vor 80 jahren die bulgaren, dann hat tito ein kurzes abkommen mit dem bulgarischen oberhaupt nach dem 2. weltkrieg aushandeln können(deswegen liegt auch der leichnam goce delcevs in skopje) stalin hat einen strich durch die rechnung gemacht, dann hat er nordgriechenland verloren aber dafür slowenien halten können. dann war ruhe und jetzt greifen die griechen die frage auf. es gibt eine menge digitalisierte literatur in google books auf deutsch. die k&k monarchie war sehr aktiv gegen die türken und hat viele beobachter an die oströmische pforten geschickt und fürsten unterstützt wie den grossen albaner skanderberg oder general karpos.
und die antwort ist seit 100 jahren die selbe die kein angrenzender staat oder mazedonien selbst einheitlich akzeptieren will: mazedonien ist, was es auch immer selber sein will und niemals das was die anderen wollen. Einheitlich bis zu einem punkt in der der erfolg in aussicht scheint und dann zerissen in internen machtkämpfen. 1903, 1913, 1946, 2008 bis jetzt.

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