Simon Kravagna: Die neue ROT-WEISS-ROTE ELITE

28. Januar 2010



Gut ausgebildete Migrantenkids werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Schlüsselpositionen in Österreich erobern. Das ist gut so. Sie sollten dann aber auch vorbildlicher mit Konflikten in ihrer alten Heimat umgehen.

Von Simon Kravagna und Lucia Bartl (Foto)

Sie sind ehrgeizig und wollen ganz nach oben. Sie sehen ihren migrantischen Background als DIE große Chance. Sie sprechen oft besser deutsch als ihre Muttersprache. Mit ihrer alten Heimat verbinden sie sehr starke Emotionen – aber ihr Lebensmittelpunkt ist eindeutig Wien. Zumindest in Wien werden Migranten in den nächsten Jahren deutlich mehr Schlüsselpositionen als bisher in Politik, Wirtschaft und Medien übernehmen, sei es als Lehrer, Polizist,

Anwalt oder Journalist. Das ist gut so. Und dennoch: Wenn sie gefragt werden, ob sie Österreicher sind, sagen viele abseits der Öffentlichkeit: „Ich fühle mich nicht richtig als Österreicher.“ – „Ich bin Serbin mit österreichischem Pass“ oder „Ich bin stolze Türkin“.

 



Nationale Neurosen




Dabei übersieht die zukünftige Elite gerne, dass sie mit ihrem Aufstieg in der österreichischen Gesellschaft mehr übernimmt als Geld und Prestige. Sie übernimmt Verantwortung dafür, dass Migranten mehr gesellschaftspolitisches Engagement in Österreich zeigen, entspannter mit Konflikten in der alten Heimat umgehen und in ihren Communities als Vorbilder auftreten müssen. Eskaliert der Kurdenkonflikt in der Türkei, dann gehen auch hierzulande unter den Österreichern

mit türkischen und kurdischen Wurzeln die Wogen hoch. Werden in einem Online-Forum die Massaker von Srebenica thematisiert, läuft mit schöner Regelmäßigkeit ein kleiner virtueller Balkankrieg mitten in Wien ab. Die Kampf-Postings

stammen nicht selten von Uniabsolventen. Die Erfahrung von Krieg, Unterdrückung und Konflikten in ihren Herkunftsländern führt leider nicht unbedingt dazu, sich auch für die Demokratie oder Minderheitenrechte in Österreich verantwortlich zu fühlen. So wie vielen Österreicherinnen und Österreichern scheinen diese Errungenschaften selbstverständlich. Eine tolerante und lebenswerte Gesellschaft ist aber nicht gottgegeben. Das müssten gerade jene wissen, deren Eltern oft als Flüchtlinge nach Österreich kamen.

 



Akzeptanz




Freilich: Schuld an der mangelnden Identifikation mit der neuen Heimat ist Österreich selbst, sagen viele Experten. Immerhin wurden die Eltern dieser jungen Österreicher bei uns als „Fremde“ bloß geduldet. Und noch immer werden Migranten alltäglich diskriminiert. Anders als in den USA, so die Kritik, gibt es hier kein politisches Bekenntnis, ein Einwanderungsland zu sein. Das war und ist ein Fehler. Trotzdem: Die Verantwortung, nicht alte Konflikte in ihrer Heimat am Köcheln zu halten, sondern für moderatere Töne zu sorgen, die kann der neuen rot-weiß-roten Elite niemand abnehmen. Versteht sie sich als Gruppe mit internationalen Wurzeln, die dafür kämpft, dass hier in Wien radikale Gruppen nichts zu melden haben, dann steigert sie damit ihr Ansehen auch in Österreich.


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Kommentare

 

wo ist der "gefällt mir"-button?

 

..."den, der die wahrheit sagt, verscheucht man aus neun dörfern"
willkommen im biber, dem zehnten dorf ;)

 

auch für dich brauche ich einen "gefällt mir" button ;-)

 

sama bissi facebook geschädigt?
=))
aber so ein button hier wäre eigentlich ne gute idee...

 

fräulein, was erlauben sie sich da eigentlich, mich geschädigt zu nennen, häh????
ich denke nur praktisch...! bevor ich ++++ tippe oder sehr gut schreibe, kann das auch ein eben "gefällt mir"-button erklären...
sorry simon, dass wir diese diskussion genau hier machen müssen... ;-)

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