OKTO-Workshop

Während unserer Newcomer-Woche führen wir - in Kooperation mit dem Communitysender OKTO - einen Video-Workshop durch, bei dem die Jugendlichen innerhalb kürzerster Zeit einen Beitrag aufnehmen, vertonen und schneiden. Eine Kollegin von OKTO war das erste Mal beim Workshop dabei und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus

von Madeleine Geosits


Beim Betreten der Klasse schaute man noch in verträumte Gesichter, schwere Augen hängen an den Lippen der Lehrerin, klar, nur zwei Tage vor den Weihnachtsferien und kurz nach einer anstrengenden Schularbeit sind die Kräfte der überwiegend 14-jährigen Jugendlichen schon am Ende. Doch sobald unsere Kathi vor die Klasse tritt, regt sich langsam was, als diese fremde Frau erzählt, dass sie und ihre Kollegen vom Fernsehen kommen und die Kinder heute gemeinsam mit dem Team von Okto und Biber einen eigenen TV-Beitrag produzieren, der dann auch noch ausgestrahlt werden soll.

Wäre ich in einer der Schulbänke gesessen, hätte ich es für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten, in vier Stunden einen ganzen Beitrag zu gestalten, vor allem, wenn man zuvor zwar schon mal mit dem Handy gefilmt, aber noch nie ein Schnittprogramm bedient hat. Egal, es geht ja nicht um mich, sondern um die Kinder der NMS Stromstraße, die erstmal von ihren technischen Erfahrungen erzählen und im Folgenden dem theoretischen Teil des Mobile Reporting Workshops lauschen. Die Theorie “is manchmal a Hund”, wie man so schön in Österreich sagt, insbesondere, wenn die Müdigkeit plötzlich wieder zuschlägt und man sich nicht ganz sicher fühlt in der deutschen Sprache. Aber Kathi schafft es immer wieder, mit kurzen Witzen und spannenden Infos die Kids ins Hier und Jetzt zu holen und dann geht‘s auch schon los - die Müdigkeit scheint wie weggeblasen. Die Lehrerin teilt mit Geschick alle SchülerInnen in fünf Gruppen ein, ohne es außer Acht zu lassen, die Kinder in ihren Stärken und Schwächen, sowie ihren sprachlichen Kompetenzen zu fördern. Jedes neuformierte “Filmteam” darf sich zusammen ein Thema überlegen und mit dem gewonnenen Wissen und einem I-Pad bewaffnet losstürmen, um ihren ersten Fernsehbeitrag zu gestalten.

Ich begleite eine Gruppe von vier Mädels und einem Burschen, ein bunter Mix an Nationalitäten und Persönlichkeiten mischt sich unter die Leute und versucht vorerst noch verhalten, aber bald mit frisch gewonnenem Mut, unbekannten Leuten ein Interview zu entlocken. Die Aufgaben sind unter allen gerecht aufgeteilt worden, jeder kennt seine Position und gemeinsam meistern sie Schritt für Schritt jede Hürde, werden mutiger, kreativer und euphorischer, denn ich glaube, es wird ihnen mehr und mehr bewusst:” Hey, wir gestalten gerade unseren ersten Beitrag für‘s Fernsehen”. Für Außenstehende, also mich, war es irrsinnig spannend zu beobachten, welche Prozesse die Jugendlichen durchlaufen, wie schnell sie sich in der Gemeinschaft, sowie einzeln weiterentwickeln, bewusst ihre eigenen Grenzen stecken, die des anderen akzeptieren und in kürzester Zeit tolle Ergebnisse zu aktuellen Themen oder jene, die sie beschäftigen, erzielen.

Überpünktlich fanden sich fast alle Teams wieder in der Klasse ein, gespannt, wie es nun weitergeht. Kathi und Senad von Okto weisen die Jugendlichen nun in das Schnittprogramm ein, keine technischen Tiefen, sondern professionell an der Oberfläche kratzend, um die Schüler weder zu überfordern noch ihnen zu wenig zuzutrauen. Ich verharre weiterhin in meiner Position als Beobachterin, aus den Lautsprechern der Tablets ertönen die unterschiedlichsten Stimmen und Geräusche, ich folge den Interaktionen zwischen dem Team und den Jugendlichen, lasse mir aber dann, meine Neugier war nicht zu bremsen, doch die ersten Schnitt- und Videoerfolge zeigen. Ich muss zugeben, ich war ziemlich beeindruckt, die Zeit schien kaum vergangen zu sein, zwischen Einführung und dem momentanen Schnittprozess und trotzdem habe ich das Gefühl, die Jugendlichen haben bereits jetzt unglaublich tolle Ergebnisse erzielt. Um die Spannung doch noch ein bisschen aufrechtzuerhalten, ziehe ich mich wieder zurück und warte, bis langsam wieder Ruhe ins Klassenzimmer einkehrt. Die Geräusche aus den Lautsprechern der Tablets verstummen und ich sehe die SchülerInnen gespannt vor der Leinwand sitzen, neugierig auf die Kreationen der anderen und ein bisschen aufgeregt, wie wohl die Lehrerinnen und die MitschülerInnen auf die eigene Produktion reagieren. Kichern, stolzes Lachen, Applaus und die Stille während eines Beitrags nehme ich wahr.

Zum Ende des Projekttages herrscht Ungeduld, denn die Ferien und der freie Nachmittag stehen vor der Tür, schnell wird den TeilnehmerInnen noch der Ausstrahlungstermin ihrer Sendung mitgeteilt, der hastig und halbstehend in die Notizbücher gekritzelt wird. Mit einem kräftigen „Danke“ und ein paar sich schüttelnden Händen endet dieser abwechslungsreiche Schultag für die Kinder und sie lassen zufriedene Medienleute und begeisterte Lehrerinnen in ihrem Klassenzimmer zurück. Ein Tag, der etwas bewegt hat, nicht nur Bild und Ton, sondern auch Meinungen und vielleicht auch Berufswünsche.

 

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