„Gschwind, gschwind, I hob mi umbrocht!“

12. August 2015

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Nöstlinger
Foto: Khalil Tarek

Eigentlich wollte Christine Nöstlinger ein Buch über alle Selbstmorde ihrer Großmutter schreiben. Verbittert über die Affären des Mannes versuchte sich die eifersüchtige Oma oft das Leben zu nehmen. Entstanden ist ein tragikomischer Familienroman über vernachlässigte Ehepflichten, Kuckuckskinder und Engelmacherinnen.

Von Sümeyra Akarcesme und Simone Egarter

Ob „Maikäfer flieg“ oder die Geschichten vom Franz, der Mini oder Dani Dachs, Christine Nöstlingers Bücher lassen uns noch heute in Kindheitserinnerungen schwelgen. Ihre Werke faszinieren aber nicht nur Kinder, sondern begeistern gleichermaßen mehrere Generationen. Das spiegelte sich auch im gestrigen Publikum der Kaffeehaus-Lesung Nöstlingers wider. Im zum Teil überfüllten Cafe Museum waren mit Kindern, Eltern und Großeltern alle Lesergenerationen  vertreten. Das Wiener Original liest aus ihrem neuen Buch: „Glück ist was für Augenblicke“. Keine Biographie, sondern Erinnerungen an eine bewegte Familiengeschichte.

Aus einer Zeit in der Kaffeehäuser noch Männerdomänen waren und Frauen sich ihren Status durch ihre Ehemännern sichern mussten, erzählt Christine Nöstlinger über die Herausforderungen des Frauseins nach dem Zweiten Weltkriegs. Die erfolgreiche und vielfach national und international ausgezeichnete Kinderbuchautorin wurde 1936 in Wien geboren. Sie war die uneheliche Tochter der Michaela und ihrer Affäre mit dem „schönen“ Walter. Der zunächst heiratsunwillige Walter entschied sich während seines Wehrdienstes an der russischen Front der „dicklichen“ Michaela doch das Ja-Wort zu geben. Allerdings nur mit der Absicht nicht aus dem Krieg heim zu kehren. Er überlebte den Krieg aber „leider“ doch. Das Verhältnis Nöstlingers zu ihrem Vater war dennoch sehr liebevoll. Nur zur Mutter hatte sie eine schwierige Beziehung.

Affären waren in der Familie Christine Nöstlingers aber keine Ausnahmen. Ihr Opa, der seine Frau oft betrogen hatte, rechtfertigte sein Verhalten sogar dadurch, dass er die Schuld seiner Frau in die Schuhe schob. Sie käme ihren ehelichen Pflichten nur einmal im Monat nach. Ein für ihn legitimer Grund seiner Liebe nicht treu zu bleiben. Beim Publikwerden seines Verhältnisses mit der „Roten“, das bezog sich auf die feuerroten Haare der Dame, kam es sogar zu Handgreiflichkeiten zwischen der Großmutter und der Geliebten. Diese und viele weitere amüsante und zugleich tragische Geschichten kann man in Nöstlingers neuem Roman nachlesen.

 

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Kommentare

 

Klingt so witzig! Hast mir richtig Lust zum Lesen gemacht :)

 

Wir haben die Geschichten auch sehr amüsant gefunden :)

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