Handspells: Fremde Welten, neue Strukturen

19. Mai 2022

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Die Preisträger*innen: Anna Spanlang, Nora Severios, Diana Barbosa Gil, Jojo Gronostay, Chin Tsao, Lukas Kaufmann, Ani Gurashvili (nicht im Bild: Cho Beom-Seok)

Der Preis der Kunsthalle Wien wird jährlich durch eine Jury an ausgewählte Künstler*innen vergeben, die ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien oder der Universität für angewandte Kunst Wien abgeschlossen haben.

Die Ausstellung „Handspells. Preis der Kunsthalle Wien 2021“  ist erstmals eine Gruppenausstellung, mit Anna Spanlang und Diana Barbosa Gil als Hauptpreisträgerinnen, sowie Cho Beom-Seok, Jojo Gronostay, Ani Gurashvili, Lukas Kaufmann, Nora Severios und Chin Tsao.

Kunst im Kontext des Milieus

„Für uns als Kunsthalle Wien gibt die Ausweitung der Anzahl an Künstler*innen einen besseren Einblick in den zeitgenössischen, jungen Kunstbetrieb. Was bewegt die jungen Künstler*innen momentan in Wien? Für mich bewegen sich die Teilnehmer*innen auch in einem Milieu, was man in der Gruppenausstellung besser zu spüren bekommt“, so Kuratorin Anne Faucheret. Gemeinsam mit den acht Künstler*innen wurde ein Ausstellungskonzept überlegt, das die verschiedenen Arbeiten unter einem Bogen versteht. Beim Stichwort „Handspells“ denkt man sofort an Magie oder Esoterik. Doch die Ausstellung bricht mit diesen Erwartungen. „In Wirklichkeit beschäftigen sich alle Kunstwerke überhaupt nicht mit Opulenz oder großen Gesten, sondern eher mit alltäglichen Aktivitäten, repetitiven Gesten, die zum Produktionsbereich gehören – oder auch im Reproduktionsbereich durchgeführt werden“, fügt Faucheret hinzu.

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Ausstellungsansicht: Handspells. Preis der Kunsthalle Wien 2021, Kunsthalle Wien 2022, Foto: www.kunst-dokumentation.com

Außerirdische, und doch vertraute Welten

Ani Gurashvili nimmt den Betrachter mit in obskure Science-Fiktion-Welten, voller irisierender Sphären und mysteriösen Landschaften. Die Ölgemälde entstanden über einige Jahre während ihres Diplomstudiums der Malerei an der Universität für angewandte Kunst. In Werken wie „Circulation“ (2019) verschiebt sie die Perspektiven auf eine Art, die fast hypnotisierend wirkt. Die plastischen Farben- und Formenwelten kollidieren mit dem, was wir aus der Realität kennen und wirken befremdlich, aber nicht fremd. „Ich erschaffe kein bestimmtes Narrativ in meinen Werken, sondern imitiere Storytelling. Gewöhnlich arbeite ich ohne Skizzen und lasse gehe sozusagen mit dem Flow. Interessant ist für mich, wie figurativ das Abstrakte sein kann“, so Gurashvili. „Es geht darum, die Zeit zu verlangsamen, Dinge gehen zu lassen und mich aus dem Limbo des beschleunigten Lebens zu begeben.“ Die gebürtige Georgierin verwendet Ölfarben, deren Prozess sie mit Trockenmitteln beeinflusst. Während sie die Farbschichten langsam aufbaut, lässt sie Außerirdisches einfließen. 2021 absolvierte sie ihr Diplom bei Henning Bohl an der Universität für angewandte Kunst.

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Ani Gurashvili, Circulation, 2019, 90 x 110 cm, Öl auf Leinwand, Foto: Ani Gurashvili, Courtesy die Künstlerin

Lukas Kaufmann fordert mit seinen Aquarellen die Materialität des Papiers heraus. Indem er aus gefalteten Bögen Raster legt, verändert sich die Oberfläche, auf denen die Wasserfarben in kleinen Becken trocknen. „Ich lege mein eigenes System zurecht und breche es auch im Prozess des Malens. Für mich hat das Ganze ein wenig mit Archäologie zu tun, weil es dort auch um das Freilegen von Schichten geht – Raster sind übrigens auch da sehr wichtig. In Wirklichkeit arbeite ich an den Aquarellen mit mehreren Farbschichten, die sich auch abstoßen können. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Faszination dafür, das etwas sichtbar wird, indem man es übermalt“, so Kaufmann. Er absolvierte 2021 das Studium Transmediale Kunst unter der Leitung von Brigitte Kowanz, ebenfalls an der Angewandten. „Jedes Diplom ist gewöhnlich eine Solo-Präsentation in einem Raum, wo man zusammenfasst, was man bisher gemacht hat. Das Schöne an diesem Konzept ist, dass man seine eigenen Arbeiten in der Gruppenausstellung auch anders sieht. Man stellt sich andere Fragen: Wie viel Nähe braucht eine Arbeit, wie viel Abstand? Man erkennt andere Bezüge, auch was den eigenen Schaffensprozess betrifft.“

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Lukas Kaufmann, screen memory I, 2021, Aquarellfarbe, Acrylfarbe auf Papier, Foto: Lukas Kaufmann, Courtesy der Künstler

In der Gruppe neu gedacht

Weitere spannende Werke gibt es auch von Künstlerin Chin Tsao, die multimedial arbeitet. Futuristische und posthumane Ästhetik trifft bei ihr auf Traditionelles, etwa in Form von illustren Keramikarbeiten, oder der Videoinstallation „The Land of Promise“.

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Chin Tsao, if you want to disappear from ..., 2020, Porzellan, Foto: Chin Tsao, Courtesy die Künstlerin

Nora Severios beschäftigt sich unter anderem in der Arbeit „Itchy & Scratchy“ mit der Handlung des Sich Kratzens in der Tierwelt. Hauptpreisträgerin der Akademie der bildenden Künste, Anna Spanlang, verarbeitet ihren Videoessay „CEREAL / Soy Claudia, soy Esther y soy Teresa. Soy Ingrid, soy Fabiola y soy Valeria“ Videomaterial seit dem Jahr 2021 aus dem Archiv ihres Handys in ungeordneter Reihenfolge. Der südkoreanische Künstler Cho Beom-Seok zeigt eine 65 Minuten langen Dokumentation mit dem Titel „Prägung“, in denen ein blinder Mann auf seinem Balkon ein Paradies schaffen will. Jojo Gronostay zeigt unter anderem seine Fotoserie „Untitled“, welche die Hände von Straßenhändlern in Barcelona und die Geste, mit der das Seil der Produktauflagen gehalten wird, betont wird. Hauptpreisträgerin der Universität für angewandte Kunst Diana Barbosa Gil zeigt verschiedene skulpturale Installationen, eine davon ist „Die beste Idee aller Zeiten“, die verschiedene Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts auf einer tragbaren Holzkonstruktion vereint.

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Ausstellungsansicht: Handspells. Preis der Kunsthalle Wien 2021, Kunsthalle Wien 2022, Foto: www.kunst-dokumentation.com

Die Ausstellung "Handspells. Preis der Kunsthalle Wien 2021" läuft noch bis zum 22. Mai 2022. Die Finissage findet am 21. Mai von 18 bis 22 Uhr statt. Mehr Informationen und das Programm gibt es hier.

 

 

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