Rama-wann?

23. April 2020

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Ramadan
Wann beginnt Ramadan? Die Frage aller Fragen jedes Jahr. Das gilt aber auch für andere islamische Feiertage.

Jetzt ist es endlich klar: In der Nacht auf den 24. April 2020 beginnt der Ramadan. Corona hin oder her, einiges bleibt immer gleich. Hier einige persönliche Anekdoten zum islamischen Fastenmonat.

Von Nada El-Azar

Ich kann mich noch gut erinnern, wie neidisch ich auf meine christlichen Mitschülerinnen und Mitschüler gewesen bin, weil sie Weihnachten und Ostern feierten. Also so richtig – mit dem entsprechenden Gefühl in der Luft, den Geschenken und den geschmückten Wohnungen. „Wann feiert man bei euch eigentlich die islamischen Feste?“, fragte mich eine Freundin damals. Und die einzige Antwort, die ich ihr darauf geben konnte, war „Dieses Jahr? Keine Ahnung.“

29,53 Tage, plus-minus X

Diese Ungewissheit hält meistens bis einige Tage vor dem tatsächlichen Eintreten der Feiertage an. Denn Muslime feiern nach dem Mondkalender. Eine Mondphase dauert 29,53 Tage, die je nach Erscheinungsbild des Mondes auf- oder abgerundet werden. Dementsprechend haben die islamischen Monate zwischen 28 und 30 Tagen. Den Beginn des Fastenmonats läutet die sogenannte „Hilal“ (dt. Mondsichel) ein. Wann diese sichtbar wird, kann durch moderne Technik zwar grob ermittelt werden – wann der Ramadan aber genau beginnt, steht jedes Jahr am Ende eines kleinen Ja-Nein-Vielleicht-Spiels. Das gehört genauso dazu wie die kitschigen „Ramadan Kareem“-Bilder, welche Mütter auf Whatsapp verschicken.

Ramadan
Jedes Jahr scheinen sich Whatsapp-Mamas in der Kitschigkeit der Ramadan-Bilder überbieten zu wollen. Es kommt meistens eine ganze Flut an Fotos! (Quelle: privater Screenshot)

Zeit der spirituellen Reinigung

Ramadan ist eine merkwürdige Zeit, für jemanden wie mich, der noch nie gefastet hat. Familienmitglieder stehen plötzlich mitten in der Nacht auf, um zum „Suhur“ ihre Mahlzeiten vor Sonnenaufgang zu sich zu nehmen. Die Energielevel sind tagsüber eher niedrig, besonders wenn Arbeit oder Schule hinzukommen. Wagt es nicht, mit euren Verwandten zu sprechen – Kaugummis sind untertags nicht erlaubt, und das merkt man.Und obwohl Zähneputzen grundsätzlich erlaubt ist, wenn man bewusst kein Wasser mittrinkt - der Hunger liegt beim Gespräch eindeutig in der Luft. Im Ramadan soll man auf irdische Bedürfnisse wie Essen, Trinken, Sex und Rauchen verzichten, genauso auf materielle. Man sollte gutmütig sein und auch nicht fluchen, was bei den niedrigen Blutzuckerspiegeln eine echte Herausforderung ist. Ich erinnere mich, wie oft meine Mutter mit geballten Fäusten tief durchatmete und sich sagte „Es ist Ramadan“, statt einen ihrer Wutausbrüche zu haben. Ja, es ist eine Zeit der Selbstüberwindung, und der spirituellen Reinigung, wenn man so will.

Meine Mutter sagt, dass in ihrer Heimat Ägypten das Fasten einfacher ist, weil der ganze Betrieb von Geschäften und Schulen in den Nachmittag verlegt wird – die Menschen sind quasi nachtaktiv. So schafft man es auch bei hohen Temperaturen von Sonnenauf- bis -untergang ohne Essen und Trinken auszukommen. Hier in Österreich hat man mitunter Schwierigkeiten damit, das Fasten anfangs nicht zu vergessen. Oft kommt es vor, dass man sich impulsiv etwas in den Mund steckt und so unabsichtlich das Fasten gebrochen hat. So wurde es mir öfter berichtet.

„Dates“ im Ramadan

Apropos Fastenbruch – das ist eigentlich das Schönste am Ramadan. Kennt ihr das, wenn man hungrig einkauft? Genauso ist es mit dem hungrig kochen – besonders in der ersten Woche des Ramadan zaubern Eltern die köstlichsten Gerichte zum „Iftar“ und die Tische (und Mägen) drohen zu bersten mit den ganzen Leckereien. Das restliche Essen kommt wenige Stunden später zum Suhur nochmal auf den Tisch. Traditionell bricht man mit einer getrockneten Dattel sein Fasten, wenn die Sonne untergegangen ist. Auf Social Media machen jährlich Ramadan-Memes à la „the only dates I have in Ramadan“ mit entsprechenden Dattel-Bildern die Runde. Denn auch Sex kommt zwischen Fastenbeginn und Fastenbruch nicht in Frage. Verabschiedet euch also schon mal von euren muslimischen Gspusis für ungefähr 28 bis 30 Tage.

Ramadan
Die einzigen "Dates" im Ramadan sind: getrocknete Datteln. (Quelle: pixabay)

Aber – der Mangel an „festlicher“ Stimmung wird zum Ende des Fastenmonats mit riesigen Feiern und guter Stimmung kompensiert. Leider fällt durch Corona ein wichtiger Aspekt des Ramadans weg: und zwar das gemeinsame Fastenbrechen mit Freunden, Verwandten, oder vielen anderen Gläubigen beim Iftar-Buffet. Andererseits ist das Fasten an sich sicherlich einfacher, wenn man zuhause und im Kreis der mitfastenden Familie bleibt.

Allen Fastenden wünsche ich trotz allem: Ramadan Kareem!

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