Vucic greift Kurz unter die Arme

26. September 2019

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Sebastian Kurz
© EU2017EE Estonian Presidency via flickr, lizensiert über (CC by 2.0)

Der serbische Präsident Aleksander Vucic lobt Sebastian Kurz in einem Video und wünscht ihm viel Erfolg für die anstehende Wahl. Wie war das nochmal mit keiner Einmischung aus dem Ausland?


„Ich hoffe, er bekommt einen Großteil der Stimmen“, und „Er ist ein ehrlicher, verantwortungsbewusster und seriöser Politiker, der die Beziehungen zum Balkan verbessern kann“ – Ausschnitte aus der 34 Sekunden langen Lobeshymne an Sebastian Kurz. Selbst bei Lobeshymnen darf man nicht vergessen, auf ihren Autor zu achten. In diesem Falle ist es der serbische Präsident Aleksander Vucic, Vorsitzender der rechtskonservativen serbischen Fortschrittspartei. Er ist im Fokus der Kritik wegen autoritärer Züge, die auch die Medienfreiheit nicht aussparen. Tausende Menschen gingen seit Dezember 2018 in Serbien auf die Straßen, um gegen Vucics korrupten Führungsstil zu demonstrieren. Ist seine Verbundenheit zu Kurz – im Video adressiert Vucic ihn sogar als Freund – nicht besorgniserregend?

Presse Journalistin Anna Thalhammer teilt das Video auf Twitter mit folgender Sorge:

Die Kommentare unter ihrem Tweet sind geteilt. Die FPÖ Steiermark findet Unterstützung vom Ausland ok und twittert einen Artikel von der kleinen Zeitung „Gratulation an Hofer/Orban will "strategische Kooperation" mit FPÖ "fortsetzen“. Ist es jetzt in Österreich salonfähig geworden, die Hilfe von rechten und höchst umstrittenen Politikern aus dem Ausland anzunehmen? Bei der FPÖ wundert es aber auch nicht so sehr. Treffen mit zweifelhaften Politikern, die das mit der Demokratie nicht so ernst nehmen, sind in der FPÖ nicht neu. Wie im Jänner 2018: Strache und Gudenus treten eine Reise nach Banja Luka an, um dort an einer Feier zum verfassungswidrigen Feiertag der Republik Srpska teilzunehmen. Einen Orden haben die beiden auch bekommen. Verliehen wurde dieser Orden ausgerechnet von Milorad Dodik, jenem Politiker, der den Genozid in Srebrenica an 8000 bosnischen Muslimen leugnet. 

2017 äußerte Kurz noch Zweifel, als Erdogan versuchte, die türkeistämmige Community in Österreich und Deutschland zu instrumentalisieren. In einem Spiegel Online Artikel findet man folgendes Zitat des Ex-Kanzlers: „So möchte ich schon jetzt festhalten, dass wir diese Einmischung keinesfalls akzeptieren würden".  Passiert diese Einmischung aber in den eigenen Reihen, scheint es in Ordnung zu sein. 

Das Video wurde am Sonntag, den 22. September, genau eine Woche vor der Nationalratswahl auf der Facebookseite „Wir für Kurz“ gepostet. Vielleicht ein letzter Versuch, Wähler*innen aus der Balkan-Community für die ÖVP zu gewinnen. 

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Kommentare

 

Hoffentlich bekommt die FPÖ mehr als 20%.

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