Wenn der Tod sich freut

04. April 2017

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Hamad Abboud
© Hamad Abboud

Über den Tod lächeln, an Türen klopfen und Beziehungen knüpfen. Hamed Abboud kann noch mehr als das: schreiben zum Beispiel. In seinem neuen Buch „Der Tod backt einen Geburtstagskuchen“ stellt der syrische Flüchtling das unter Beweis.  

 „Klopf einfach an die Tür und sag Hallo!“ So trivial dieser Tipp von Hamed Abboud an alle Flüchtlinge in Österreich auch klingen mag, in seinem Fall bewirkte er wahre Wunder. Er weiß, wovon er spricht, musste er 2012 immerhin selbst aus Syrien flüchten. „Flüchtlinge mit einem Gesicht kann man nicht umgehen. Sie sind Nachbarn, sie sind Freunde“, weiß Hamed. Der 1987 geborene Syrer gelangte über Ägypten und die Türkei nach Österreich, wo er mittlerweile wieder ein großes Netz an Kontakten und Freundschaften knüpfen konnte. „Hilfst du jemandem, wird er auch dir helfen“, ist Hamed überzeugt.

Demnach kann er viel Hilfe erwarten, denn sein neues Buch „Der Tod backt einen Geburtstagskuchen“, welches am 9. März vom Schweizer Verlag „pudelundpinscher“ veröffentlicht wurde, sieht er in erster Linie als Therapie für sich, aber auch andere. „Ich möchte, dass die Leute lächeln und über den Tod reden können. Sie sollen die Trauer nicht in sich hineinfressen.“ In seinen auf Arabisch geschriebenen und von Larissa Bender ins Deutsche übersetzten Texten des Buches behandelt er den Krieg, seine Flucht aus Syrien und das Ankommen in einer neuen Gesellschaft. „Der Tod hat viele Menschen zu sich geholt. Wir Lebenden trauern deswegen, doch der Tod feiert. Er freut sich, neue Freunde gefunden zu haben und backt ihnen auch Kuchen, wenn sie Geburtstag haben“, erzählt Hamed und erklärt damit auch den Titel seines neuen Werks.

Tausendsassa Hamed

Ihm wurde durch die Veröffentlichung des Buches bewusst, dass ein Leben in Österreich möglich sei. Er könne hier so einiges schaffen, ist er sich sicher. Dabei hat er schon vieles geschafft. In kürzester Zeit lernte er die Sprache Deutsch so gut, dass er bereits anderen Flüchtlingen damit helfen konnte. In dem Ort Oberschützen im Burgenland gründete er gemeinsam mit einer Österreicherin den Verein „Miteinander in Oberschützen“. Dabei werden Flüchtlinge aus der Gegend betreut und unterstützt. Hamed selbst dolmetschte, hielt einen Alphabetisierungkurs ab und begleitete Flüchtlinge zu Behörden. Mittlerweile lebt er in Wien und kann den Verein nur noch hin und wieder besuchen. Woher er die Energie für Job, Texte schreiben, Deutsch lernen und auch noch anderen helfen nimmt? „Ich habe bemerkt, dass es hier in Österreich Perspektiven für mich gibt und das möchte ich auch ausnützen.“

Lesung in Wien

Gerade sammelt er möglichst viele Eindrücke aus seiner neuen Heimat, um in seinem nächsten Buch über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der österreichischen und syrischen Gesellschaft schreiben zu können. Er hofft, dadurch einen kleinen Beitrag zur Integration leisten zu können, indem er die beiden Kulturen für die LeserInnen zugänglicher macht. Eine erste Annäherung ist schon am 8. April in Wien möglich. In der Brunnenpassage liest er aus seinem Buch „Der Tod backt einen Geburtstagskuchen“ und wird dabei musikalisch von dem Syrer Bahur Ghazi auf der „orientalischen Gitarre“ Saz begleitet. Hamed hofft, in Zukunft zu noch mehr Lesungen und Diskussionen eingeladen zu werden, denn noch könne er nicht vom Schreiben leben. „Heute schreibe ich ein Buch und habe Lesungen. Morgen kann alles wieder ganz anders ausschauen. Aber vielleicht gelingt es mir mit 40 oder 50 Jahren, mich voll und ganz auf das Schreiben zu konzentrieren“, grinst der gutgelaunte Syrer.

Was: Hamed Abboud liest aus seinem Buch „Der Tod backt einen Geburtstagskuchen“ mit musikalischer Untermalung von Bahur Ghazi.

Wo: Brunnenpassage; Brunnengasse 71, 1160 Wien

Wann: Samstag, 8.4. um 20 Uhr

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