Let’s talk about MONEY!

03. Dezember 2020

Goran Maric ist Geschäftsführer des Sozialunternehmens „Three Coins“. Im biber-Interview verrät der erst 28-Jährige, warum der Umgang mit Geld für Jugendliche besonders wichtig ist und welche drei Münzen uns ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Text: Yasemin Uysal, Fotos: Sophie Kirchner

„Einmal hat ein 15-Jähriger die Kreditkarte seiner Eltern um 7000 Euro überzogen, um sich Online-Games zu kaufen“, Goran Maric muss selbst lachen, als er sich an seinen wohl spektakulärsten Schuldenfall erinnert. Der gebürtige Bosnier steht mit seinen 28 Jahren bereits ganz oben im Wirtschaftsbusiness. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens „Three Coins“. Seine Aufgabe: Jugendliche vor der Schuldenfalle bewahren.

Heute ist jede vierte Person, die bei Schuldenberatungen Hilfe sucht, unter 30 Jahre alt. Die momentane Corona-Pandemie macht die Situation nicht gerade besser. Aber warum können junge Menschen nicht mit Geld umgehen? Für Goran liegt das Problem nicht an der jungen Generation. Er macht viel mehr den Wandel unserer Zeit in eine digitale und beeinflussende Welt verantwortlich. „Wir werden von einem riesen Konsumsystem überhäuft, was uns jungen Menschen erschwert, nachhaltig finanzielle Entscheidungen zu treffen,“ meint er.

Goran Maric Three Coins
Foto: Sophie Kirchner

Wir leben das Klischee!

Aber wofür gibt die Young Generation, ihr para eigentlich aus? Achtung, jetzt kommt ein harter Schlag für alle Klischee-Verleugner: Es ist bewiesen! Mädchen investieren ab und zu ein bisschen zu viel in Make-Up und Fashion. Jungs hingegen gönnen sich lieber Autos, Mopeds und Online-Games. So weit, so gut. Wir dürfen uns laut Goran gerne mal was gönnen. YOLO!! „Wichtig ist aber zu wissen, warum ich etwas kaufe und ob ich es tatsächlich brauche“, klärt der sympathische Unternehmer uns auf.  

Genau hier versucht Three Coins anzusetzen. In Form von Beratungsgesprächen und Workshops versucht das Unternehmen Kindern und Jugendlichen vom Pflichtschulalter bis zur Volljährigkeit  altersgerecht den richtigen Umgang mit Geld schmackhaft zu machen. Die jungen Altersgruppen liegen Goran persönlich besonders am Herzen. „In den jungen Teilnehmer*innen steckt noch so viel Neugier“, schwärmt er. Wenn etwa das erste Lehrlingsgehalt ansteht, ist Three Coins zur Stelle und hilft Lehrlingen sie finanzfit zu machen. Selbstbestimmung und Reflexion des eigenen Konsumverhaltens stehen dabei im Fokus der Arbeit mit den jungen Teilnehmer*innen. Mittlerweile hält Three Coins seine Workshops in Schulen quer durch Österreich ab. Auch während des Lockdowns steht das Unternehmen seinen Teilnehmer*innen online zur Verfügung.   

Für den nachhaltigen Umgang mit Geld ist Finanzkompetenz ein wichtiges Know-how. „Finanzkompetenz ist keine Raketenwissenschaft. Wir brauchen sie, um selbstbestimmt und ohne Geldsorgen durchs Leben zu gehen“, sagt Goran voller Motivation. Deshalb sei es auch so wichtig, möglichst bald, am besten im Alter von vier Jahren, mit Kindern über Geld zu sprechen. Dafür arbeitet Three Coins gerade an einem Gesellschaftsspiel mit Superhelden für Eltern und Kinder, um die ganz Kleinen auf die Welt des Geldes vorzubereiten.

Goran Maric Three Coins
Foto: Sophie Kirchner

Es waren einmal 3 Münzen...

Die Entstehungsgeschichte von Three Coins vor acht Jahren basierte ebenfalls auf einem Spiel. Mit Hilfe des Spiels „Cure Runners“ für Smartphones sollten Kinder spielerisch lernen, mit Geld richtig umzugehen. Bis heute zielt die Strategie von Three Coins auf eine Verbindung von Bildung und Gamification, also das spielerische Lernen, ab. So gelingt es auch das sonst so zache Thema „Geld“ attraktiv zu machen.

Den Namen verdankt das Unternehmen einem slowakischen Märchen. Ein König reitet durch seine Ländereien und trifft auf einen Bauern. Der Herrscher erzählt ihm von seinem Reichtum und fragt dann den Bauern nach seinem Vermögen. Er antwortet, er habe drei Münzen. Eine für ihn selbst, die zweite für Rückzahlungen und die letzte Münze ist für sein Kind. „Das ist eine wunderschöne Metapher, wofür wir „unsere“ Münzen brauchen sollten. Für unsere eigenen Ziele, unser Umfeld und unsere Zukunft“, erzählt Goran, der sich schon immer für Wirtschaft interessierte.

Goran Maric Three Coins
Foto: Sophie Kirchner

Goran stammt aus einer bosnischen Arbeiterfamilie und kam nach dem Bosnienkrieg nach Wien. „Leider bleiben dir hier aber mit einem Migrationshintergrund viele Chancen verwehrt“, das hat der 28 Jährige bereits in der Schule gemerkt. Vielleicht entwickelte Goran genau deshalb den Drang nach Veränderung und Chancengleichheit. „Ich habe BWL studiert, um zu verstehen, warum auf der Welt ökonomisch so viel falsch läuft“, lässt er uns wissen. Vor drei Jahren führte sein Weg ihn zu Three Coins, wo er schließlich Geschäftsführer wurde. Neben seinem Business-Life setzt Goran sich gegen Rassismus ein und engagiert sich in einigen Migrationsprogrammen des ÖIF und in Jugendzentren.

Auf die Frage, was er sich denn mit 15 so gekauft hat, gibt er lachend zu: „Ich habe mir mit dem Geld meiner Eltern ein Computerspiel gekauft.“ Wir sehen also, aller Anfang ist schwer.        

Goran Maric Three Coins
Foto: Sophie Kirchner

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