Tour de Vienne - Radfahren in Wien

03. Mai 2010




Radfahren in Wien ist ein Abenteuer. Meistens ein ungewolltes. Ein Engländer erzählt vom Überleben im Straßendschungel.

Von John Hodghson und Lucia Bartl (Fotos)

 

Aaahhh, der Frühling ist wieder da! Die Vögel zwitschern von den Bäumen, die Blumen blühen... und die Wiener geben wieder ihren Frühlings-Schrei „Deesss issss a Geeeeeehsteig!“ ab. OK, bevor man sich denkt: „Ach Gott, gerade ein Engländer muss sich mal wieder über Wien aufregen! Soll er doch zurück auf seine Affeninsel, wenn es ihm hier nicht gefällt“, sollte ich sagen: Wien hat ein super Radwegnetz (1100 Kilometer) mit guten Markierungen und (normalerweise) guten Trennungen zwischen Straße und Radweg. Im Sommer wird’s besonders spannend:

Dann kann man auf der Donauinsel fahren und sich von den FKK-Leuten abschrecken lassen und auch der Wienerwald bietet genug Radtour-Möglichkeiten. Es ist definitiv besser als bei mir zu Hause, wo die Stadtgemeinde Radwege neben Schnellstraßen gebaut hat. Was für eine Gaudi!

 

Allgemeine Verunsicherung

Nein, über das Radwegnetz kann man sich in Wien nicht beschweren. Aber – wäre ja sonst langweilig, wenn ich nur Gutes zu sagen hätte – das Zusammenleben von Radfahrern und anderen Stadtbewohnern verläuft nicht gerade friedlich. Ich bin die ganze Woche mit dem Rad unterwegs und wenn ich nicht wenigstens einmal so etwas wie „depppate Radlfoarer!“ höre, stimmt was nicht in Wien. Als Radfahrer bist du das Schlimmste, was man in Wien sein kann: ein Störfaktor. Du bist schnell und leise und bist oft gefährlicher als ein Auto, weil man dich nicht kommen hört. Das Problem ist, dass man als Radfahrer dazu neigt, Straßenregeln etwas lockerer zu nehmen. Zum Beispiel: Du stehst vor einer Kreuzung. Die Ampel ist rot. Du rückst mit dem Rad ein bisschen nach vorne. Noch a bissl. Nichts auf der Straße... und schwupp, schnell rüber und nichts wie weg! Währenddessen sitzt der Autofahrer noch immer hinter der Ampel und verflucht mit knirschenden Zähnen die frechen Radfahrer.

 

 

Schnell wie nix

Aber, ehrlich gesagt... genau deswegen hat Radfahren im Stau etwas für sich. Da sitzen die Leute in ihren Autos, meckern und sind gestresst, weil sie zu spät zur Arbeit kommen. Und du? Du segelst an ihnen vorbei – ohne Stress und mit dem Wissen, dass du, falls du doch spät dran bist, einfach Gas geben kannst. Mir dünkt, dass das auch etwas ist, weswegen sich Autofahrer über uns ärgern. Aber Vorsicht! Schmale Straßen, viele Autos, Stress... Da ist der nächste Unfall nicht weit.

 

Die sechs Top Tipps, um in Wien sicher Rad zu fahren:

Trage immer einen Helm.

Damit kannst du Autos besser beschädigen, wenn du sie mit dem Kopf triffst.

Vorsicht bei Taxifahrern.

Sie führen einen heiligen Krieg gegen Radfahrer und sammeln Punkte, wenn sie einen Radfahrer fällen.

Vorsicht bei Fußgängern.

Sie sind Idioten, die keine Gelegenheit verpassen, auf Radwegen zu spazieren, während sie in ihre Handys Blödsinn quatschen und nichts wahrnehmen.

Streiten sollte dir Spaß machen,

sonst wird Radfahren schnell zum Ärgernis.

Wenn du ein schönes Rad hast, zerkratzte es, färbe es kotz-gelb, kleb Gaffer-Tape drauf – mach alles, dass es nicht schön aussieht. Dann hast du’s auch lange.

Für ausländische Radfahrer:

Fahre Rad und lerne dabei automatisch Wienerisch. Du wirst staunen, wie schnell sich dein Schimpfwortschatz erweitert!

 

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