3 Minuten mit Esra Özmen

06. Dezember 2021

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Esra Özmen
(C)Zoe Opratko

Esra Özmen hört sexistische Rap-Songs, lässt sich aber von ihnen nicht beeinflussen. Die Ottakringerin, die zusammen mit ihrem Bruder Enes das Rap- Duo „EsRAP“ bildet, erzählt im biber-Interview von ihrer Heilung durch Kunst und wieso selbst die Moscheegänger unter ihren Freunden sie feiern.

Interview: Nada El-Azar, Foto: Zoe Opratko

BIBER: In der Deutschrap-Szene ist der durch Model Nika Irani ins Leben gerufene Hashtag #DeutschrapMeToo ein großes Thema. Wie sexistisch ist das Business in deinen Augen?

ESRA ÖZMEN: Es wäre verleugnend zu sagen, dass die Deutschrap-Szene nicht sexistisch ist. Die Frage ist, wie man mit diesem Sexismus umgeht. Ich denke, dass der Fokus ein wenig verloren gegangen ist. Rap war früher eine Community, in der man das System kritisiert hat. Heute ist alles viel persönlicher geworden, Männer messen sich gegenseitig und machen aus dem Ganzen ein Macho-Ding. Trotzdem höre ich sie alle: Samra, Capital Bra, Haftbefehl und so weiter. Aber ich lasse mich nicht von dem Sexismus beeindrucken der beeinflussen, weil ich darüber Bescheid weiß. Sobald Jugendliche über Feminismus aufgeklärt werden, kann Deutschrap ruhig sexistisch sein, und es wird an ihnen abprallen. Zu vorsichtig und politisch korrekt sollte man dabei nicht sein. Das ist einfach uncool für die Kids und Coolness ist ihnen sehr wichtig.

Die erfolgreichsten Rapperinnen Cardi B, oder Shirin David treten alle hypersexy auf. Spürst du einen Druck, als Frau im Rap so auftreten zu müssen?

Ich frage mich auch, was dabei der Hintergedanke ist. Wenn das der Weg ist, ins Business einzusteigen, dann ist das natürlich okay. Andererseits kann es auch daran liegen, dass man als Frau ohnehin schon ständig sexualisiert wird, und Rapperinnen nutzen das aus. Für mich persönlich ist es schade, wenn man sich in einer eh schon männerdominierten Szene solchen Bildern bedienen muss.

Du bist in eine türkische Gastarbeiterfamilie im Gemeindebau hineingeboren worden. Wie findet deine Familie deine Karriere in der Kunst?

Es gibt diesen Spruch: Veränderung braucht Zeit. Aber es kann so schnell passieren. Ich war die Erste, die in meiner Familie maturiert hat. Meine Mutter fragt mich täglich, was ich eigentlich an der Uni mache, und versteht es aber immer noch nicht. Aber meine ganze Familie und sogar die Moscheegänger unter meinen Freunden feiern mich. Mein religiöser Opa hat gemeint:„Gut, dass du studierst! Auch wenn es eben Kunst ist.“ Ich habe ihn ins Rhiz auf ein Konzert reingebracht, wo er mit Punker- Typen rumgehangen hat. Anfangs dachte ich, dass das ein Problem werden könnte, aber das war es nicht.

Du verfasst nun sogar deine Dissertation über Rap. Worum geht es da?

Ich möchte aufzeigen, wo in Wien Rap eigentlich entsteht. Und welche Einflüsse Migration und der Umgangder Stadt mit diesem Thema auf die KünstlerInnen hat.

Wie kann man Jugendlichen, die aus ähnlichen Verhältnissen kommen wie du, Kunst näherbringen?

Bühne geben! Leute wollen gesehen werden. Mit ihnen in diesem Bereich müssen aber auch Leute arbeiten, die diese Jugendlichen verstehen. Ich wusste ganz lange nicht, was ein Tschusch ist, dass es politisch ist, dass ich Ausländerin bin, oder was Feminismusist. Die Kunst hat mich aber geheilt. Wir müssen die Diskussion in die Parks bringen, wo die Kids sind.

 

 

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