Bussi-Gate: Guten Freunden gibt man ein Küsschen. Oder zwei? Oder drei??

Letztes Wochenende auf einer Geburtstagsfeier war er wieder da. Der unangenehme, peinliche Moment des unerwiderten Begrüßungsbussis. Komm ich also zu fortgeschrittener Stunde auf der Feier an, wo zwölf Backenpaare warten, von mir abgebusselt zu werden. „Igor eins, Ljubo eins, Milena eins, Geburtstagskind zur Feier des Tages drei, .... ah der Hrvoje kriegt auch eines links.“ .... Aber Hrvoje bleibt weiter halb stehend, halb hockend über dem Sofa und hält mir auch die andere Backe hin. Bussi-Gate done. Drei laute „fucks“ denkend, übertünche ich den Augenblick der verachteten Backe blitzartig mit einem überschwänglichen „Na, wenn Du mich unbedingt zwei mal knutschen willst, dann KOMM her! Hahaaaaa!“ Er geht dankend auf den Schmäh ein, beide lachen hihi- voll lustig, hoho- gar nicht peinlich berührt.

Solo oder Triplekiss?

Ich gerate leider immer wieder in solche (K)issverständnisse, und mein Kulturkreis ist nicht ganz unschuldig dran. Meine türkische Schwägerin hat eh Recht: „Das hab’ ich erst bei Euch kennengelernt. Das ist nur bei Euch Jugos so kompliziert mit dem unterschiedlich oft Küssen.“ Es ist echt ein Jugo-Ding, aber noch mehr ein Serben-Ding, das Drei-Mal-Bussi-Geben. Denn die Kroaten bussln zwei Mal, so wie Hrvoje.

Ich versuch mal, das Bussi-Regelwerk transparenter zu machen:

Die drei Bussis gibt’s immer dann, wenn es offizieller oder festlicher zugeht und es etwas zu gratulieren gibt – Hochzeiten, Geburtstage, Neujahr, Slava. Oder, wenn man einander länger nicht gesehen hat (die Verwandten beim Runterfahren) oder länger nicht sehen wird (die Verwandten beim Zurückfahren). Trifft man regelmäßig aufeinander und zu keinem besonderen Anlass, gibt’s einen Solokuss links, für Family und Freunde gleichermaßen. Easy, oder?

Interkulturell korrekte Bussis

Die österreichischen Freunde meiner Eltern, Werner und Silvia, die sind zum Beispiel ganz stolz auf ihre interkulturellen Begrüßungs-Skills. Die haben irgendwann, weil kulturell interessiert und respektzollend, mitbekommen, dass wir es wie die Franzosen tun und begrüßen uns ausnahmslos jedes Mal mit Bussi links, Bussi rechts, Bussi links.   

Ungern mag man sie demotivieren, indem man auf die korrekte Bussianzahl pocht. Wäre irgendwie Haar - ähm – Kussspalterei. Oder sind wir dann um nichts besser, als jene, die nicht auf das Grünzeug zwischen den Zähnen oder den falsch verwendeten Artikel hinweisen? Wenn mehrere Bussi-Kulturen aufeinandertreffen und Selbstfremdschämmomente wegen verschmähter Wangen drohen, kann man sich mit dem Ein-Kuss-und-fest-ansich-drück-Move aus der Eskalation retten. Funktioniert so: Beim ersten Bussi auf die linke Backe ertönt von beiden Personen ein lautes „Mmmuuaa“, wobei die Wangen bekräftigend aneinander gepresst werden. Eine gleichzeitige Halbumarmung mit der linken Hand unterstreicht den Solokuss. Find ich äußerst praktisch und erspart einem so manch furchtbares Bussi-Gate. Hätte mir bei Hrvoje auch einfallen können.  

 

 

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