Die Frau hinter den Locken

Wetterfee, Biberica und bald womöglich Dancing Star? Eser Ari-Akbaba tanzt ab März in der ORF Prestige-Show mit. BIBER hat die Frau mit der blonden Mähne exklusiv zu Hause besucht.

Text von Delna Antia /Fotos von Marko Mestrovic

Diese Frau in einem Portrait einzufangen ist ungefähr so, als wolle man ihre Locken zu einem Zopf zusammen binden. Man weiß nicht, wo man anfangen soll zu greifen. Es ist so viel da. Eser Ari-Akbaba kennen die meisten Österreicher aus dem Fernsehen. Sie ist die blonde Moderatorin, die auf ORF1 um 19.54 Uhr das Wetter ankündigt. Die mit dem komplizierten Namen und den vielen Locken. Doch ab März dieses Jahres werden noch mehr Menschen Esers Namen aussprechen lernen, und zwar zur Hauptabendzeit. Sie wird bei Dancing Stars mittanzen. Ihr Wunsch geht in Erfüllung. Wer auf dem Parkett der beliebtesten Show Österreichs eine gute Figur macht und das Publikum einzuwickeln weiß, der darf offiziell auf einen Karrieresprung hoffen. Eser, gesegnet mit einer wahrlich guten Figur und einem witzigen Mundwerk, hat genau das vor. Ihr Traum: Eine eigene Show und als ersten Gast Tarkan auf dem Sofa.

eser
Marko Mestrovic

Doch zuvor sitzt BIBER in ihrem Wohnzimmer. Türkischer Schick trifft Wiener Schmäh, das scheint auf Esers Person genauso zuzutreffen wie auf ihre Wohnung. Eser hat Marko, den Fotografen, und mich zu sich nach Hause eingeladen. In der Küche serviert sie Cheesecake mit Chai. Wir quatschen. Das kann man nämlich super gut mit Eser. Während sie in der Küche herumwirbelt und ich noch wachwerde, übernimmt Eser die Gesprächsführung. Kommunikation kann sie, das schüttelt sie aus dem kleinen Finger. So plaudern wir über ihren Putzfimmel und das Drama von Frauen-Freundschaften. Marko schaut währenddessen gebannt beim Drama von „Verbotene Liebe“ zu, der türkischen Version. Die läuft im Hintergrund auf dem iPad und Freundinnen-Zwistigkeiten sind hier noch das kleinste Problem. Eser hat jede Folge mindestens zehnmal gesehen. Sie weiß, dass sich die Protagonistin am Ende umbringt. Schock bei Marko, Schulterzucken bei Eser.

Langsam wirkt mein Chai. Ich beginne das Interview, indem ich probiere die Fakten zu ordnen. Wir fangen von vorne an. Eser wurde als sechstes Kind in Wien geboren. Ihre Eltern sind aus Dersim, dem Südosten der Türkei, zwei Brüder und ihre Schwester leben in Deutschland. Ihr Vater war in der Türkei Kriminalbeamter und wurde in Österreich Schlosser. Esers Mutter ist Analphabetin, hat die Kinder aufgezogen und als Küchenhilfe gearbeitet. In Wien besuchte sie das Oberstufengymnasium in der Hegelgasse im ersten Wiener Bezirk. Danach begann sie ein Jus-Studium. Aber weil das mehr der Wunsch der Eltern war, wechselte sie bald zu Publizistik, Politikwissenschaften und Ethnologie. Ihre Doktorarbeit schreibt die heute 37-Jährige gerade über alevitische Frauen im Integrationsprozess.

Eser beim Couscous zubereiten
Marko Mestrovic

Hässliches Entlein, dann Powerfrau

Eser schlägt vor Couscous für uns zuzubereiten – sie kocht so gern. Wir essen so gern, also: Ja!! Während sie in der Küche hantiert, die im Gegensatz zur mondänen Altbauwohnung noch den einfachen Charme der 80er Jahre versprüht, machen wir weiter. Vollzeit arbeiten, nebenbei ein Studium abschließen und von donnerstags bis sonntags fortgehen (Sophiensäle), so verbrachte Eser ihre Zeit mit Zwanzig. Energieprobleme kennt sie nicht. Im Gegenteil, es war die Zeit, in der sie aufblühte. Denn, so erklärt uns Eser, früher sei sie das hässliche Entlein in der Familie gewesen. Ich runzle die Stirn, die Musik bei „Verbotene Liebe“ schwillt dramatisch an, doch Eser durchmischt unbekümmert weiter den Couscous mit bloßen Händen. Ja, sagt sie, erst durch ihren festen Job bei der Mobilkom (heute A1) hätte sie Selbstbewusstsein bekommen. Eigenständig Geld zu verdienen, sich plötzlich schöne Kleider kaufen zu können, das habe sie gestärkt – von außen wie innen.

Eser ist der Typ: offensiv offen. Dementsprechend hält sie Marko und mir einen Löffel Couscous unter die Nase, wir sollen probieren. Lecker! Sie stellt grüne Salatblätter auf den Tisch, in die wir den Couscous hineinlöffeln. „Bei Biber ging es dann richtig los!“, erzählt Eser uns. Der Job im Marketing hat ihr Spaß gemacht. „Da habe ich gelernt, was es heißt zu connecten und sich ein Netzwerk zu schaffen.“ Auf Events gehen, sichtbar bleiben, Smalltalk führen, erklärt sie mir den Grundkurs. Eser kann das aus dem FF. Mit ihrer Löwenmähne, dem losen Mundwerk und dem herzlichen Lachen macht es Spaß beim Spritzer mit ihr herumzustehen, egal wie steif die Umgebung ist. Andere und sich selbst nimmt sie nicht zu ernst. Wie jetzt am Küchentisch. Lustig erzählt sie uns, dass sie wie „Dragica“ ausgesehen hätte, als sie beim ORF vorstellig wurde. Ja genau, wie wurdest du Wetterfee?

Die Dame hat Eser aus dem TV erkannt
Marko Mestrovic

Gab’s keine Österreicherin?

Eser wurde entdeckt. Bei einer Podiumsdiskussion fiel sie der Chronik-Chefin vom ORF auf, zwei Wochen später saß sie bei der Landesdirektorin im „Putzfrau-Look“ (weil 30. Geburtstag und Friseurtermin erst am Abend) und der Rest ist Geschichte. Und wie ist es so beim Wetter? „Hätte ich gewusst, was auf mich zukommt...“, schnauft Eser. Sie hätte ja keine Ahnung gehabt. In nur drei Monaten musste sie meteorologische Zusammenhänge lernen, erhielt eine Kameraeinschulung samt Sprechtraining und von alldem hätte sie Akne bekommen. Dann ging es los. Die Reaktionen waren divers. Auf YouTube heißt es etwa „Wow! Die hocherotische Eser!“ Aber sie musste auch andere Reaktionen verdauen. „Gab’s keine Österreicherin für den Job?“, kam nicht nur einmal. Sie lacht darüber, extra, und geht auf Angriff: „Die können mich mal.“ Nach außen stark, so ist Eser, das merkt man. Und grundsätzlich mache ihr das Wetter ja Spaß. Jeder redet schließlich drüber. So kann es passiert, dass sie in der U-Bahn angesprochen wird, warum es ausgerechnet heute schneit und nicht zu Weihnachten. Guter Hinweis, wir gehen ins Wohnzimmer und bestellen bei ihr Sonne, wegen der Fotos. Klappt. Sie hat wirklich gute Connections. Dann sind wir mit den harten Fakten durch und wechseln den Schauplatz. Auf der Straße wird Eser von einer Dame angehalten. Ob sie die aus dem Fernsehen sei? „Ja!“, und schon reden die beiden rasant auf Türkisch, es folgt: Lachen, Umarmung, Foto. Die Dame ist stolz, dass Eser nun bei Dancing Stars mitmacht und verspricht für sie „ganz Istanbul“ zu mobilisieren. Eser lacht: „Na dann habe ich ja schon gewonnen!“ Wir verabschieden uns. Eser freut sich, gerade weil das Lob aus der türkischen Community kommt. „Bei uns gibt es viel Neid und schnell heißt es: Die ist so eine Möchtegern-Türkin.“ Mit Dancing Stars will sie daher zeigen, was sie drauf hat. Und wer weiß, vielleicht wird sie ja wieder entdeckt. Ihr Vorbild ist jedenfalls der Moderator der türkischen „Beyaz Show“. „Aber vor allem habe ich eine Geschichte, die ich meinen Enkelkindern erzählen kann.“ Beim Ströck, ihr Lieblingscafé im Grätzl, bestellt Eser Filter(!)kaffee. Ich mache einen Gegenschlag und spreche sie auf’s Kopftuch an. Aber Eser bleibt cool: „Österreich muss sich klar deklarieren. Wollen wir ein Wischiwaschi-Land sein oder uns klar positionieren wie Frankreich? Ich selbst bin grundsätzlich nicht für Verbote. Menschrechte wie Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit sollte man wertschätzen.“ Als Integrationsbotschafterin steht sie in den Grundzügen, nicht in allem, hinter der Politik von Minister Sebastian Kurz.

Dreamteam im Waffel-Business: Eser und ihr Ehemann
Marko Mestrovic

Ich wechsle das Thema. Politik, Karriere, Filterkaffee – was ist mit Liebe? Eser strahlt. „Ich wollte nie heiraten! Ich wollte lieber reisen und Spaß haben und habe immer gesagt: Bitte Mama, verschon mich!“ Das predigt sie auch ihren Nichten. Aber ihr ist es dann doch passiert. Eser war 32 als sie „Ja“ sagte. Ihr Mann ist Türke, ein Gastronom im Herzen. Vor knapp zwei Jahren haben die beiden gemeinsam ein Waffel-Restaurant im 6. Bezirk eröffnet. Selbstgemachte Waffeln? Wir brechen sofort auf. 20 Minuten später sitzen wir vor dampfenden Waffeln mit Früchten und Schokosoße. Eser und ihr Mann sind ein eingespieltes Team, das merkt man gleich. Nur nicht hinter der Theke. Er: „Ein bisschen zackzack!“ Sie: “Du bist kein guter Chef!“ Er: „Als Angestellte hätte ich dich sofort gekündigt!“ Sie: „Geh Schatzi, wir müssen jetzt auf’s Foto!“ Beide lachen. Klick.Inzwischen sind vier Stunden vergangen und wir haben drei Mahlzeiten verspeist. Mehr geht nicht. Nur eine letzte Frage noch: Was würdest du bei Dancing Stars auf keinen Fall machen? Eser: „Die Haare glätten! Das ist ein No-Go.“ 

 

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