"Frauen lachen mit, Männer eher über."

Bis vor Kurzem kannten ihn nur eingefleischte Comedy-Fans. In der NDR Talk-Show avancierte Florian Schröder mit seiner ironischen Aufzählung von Geschlechterklischees zum "Social-Media-Klickmeister." Über Frauenwitze, Machosprüche und das abgründige Wiener Publikum. 


 

Biber: Herr Schröder, wie werden sie den Internationalen Weltfrauentag am 8. März verbringen?

Ich habe Probleme mit Gedenktagen, egal welcher Couleur. Sie riechen mir zu sehr nach Ablasshandel. Eine Art Reminder für Leute, die scheinbares Interesse simulieren wollen. Entweder man beschäftigt sich im Alltag mit einer Sache, dann braucht man keine Gedenktage, oder es ist einem heimlich wurscht, dann braucht man einen institutionalisierten Alarm, damit man einen Kerze der Anteilnahme aufstellen kann, um sich danach wieder gleichgültig abzuwenden.

Schröder, Kabarett, Frauen, Männer, Deutschland
Frank Eidel

Mit ihrer Aufzählung der Eigenschaften, die von einer Frau gesellschaftlich erwartet werden, sind sie zum Social-Media-Klickmeister aufgestiegen. Können Sie sich den Erfolg erklären?

Nein, Robert Musil sagte einmal "Das Richtige und seine Zeit hängen durch geheimnisvolle Kraft zusammen, wie ein Speerschütze und das Ziel, das er trifft, ohne hinzusehen." So fühle ich mich. Ich trage täglich auf unterschiedlichen Kanälen Gedanken in die Welt, manche verglühen, andere fangen Feuer. Das kann man nicht beeinflussen oder planen. Vielleicht war die Zeit reif für dieses kleine Plädoyer, vielleicht war es so, weil eine Frau, die Ähnliches gesagt hätte, sofort in den Verdacht der Frustration geraten wäre, vielleicht, weil Frauen einfach nur froh waren, dass auch ein Mann solche Gedanken formuliert...alles möglich.

Was erwarten Sie von einer Frau?

Das, was Frauen angeblich immer von Männern erwarten: Humor und Intelligenz.

Was unterscheidet weiblichen und männlichen Humor?

Ich tue mich schwer mit solchen Zuschreibungen. Man ist schneller in der Gefahr, Stereotypen zu verfestigen, die eigentlich überwunden werden sollten. Ich wage es trotzdem: Vielleicht lachen Frauen eher mit, Männer eher über.

Was bedeutet Feminismus für Sie?

Die Hoffnung auf seine baldige Überwindung, weil er nicht mehr gebraucht wird. Ich träume von einer Zeit, in der wir abrüsten, in der es einfach keine Frage mehr ist, ob ein Mann oder eine Frau den Job bekommt, in der es weder machoides Scheißverhalten gibt, noch die andauernde heimliche Lust am "sich diskriminiert fühlen."

Der letzte Machospruch, den sie von sich gegeben haben?

Sorry, hier ziehe ich blank. Das war der Machospruch. In den USA wäre diese Zweideutigkeit schon ein sexueller Übergriff.

Der beste Frauenwitz?

Ich kenne keinen. Berufskrankheit des Komikers: Ich kann mir keine Witze merken. Klingt wie ein Widerspruch, ist aber keiner. Es gilt der alte Comedy-Leitsatz: "A joke tells funny things. A comedian tells things funny."

Ihr oben erwähnter Video-Clip lebt auch von der schnellen Aufzählung in bester Busta-Rhymes-Manier. Kann man schnell reden trainieren?

Mehr oder weniger wahrscheinlich schon. So, wie ich auch als mittelbegabter Hobbysportler ein passabler Fußballer werden kann. Da mir das Quasseln aber offenbar in die Wiege gelegt wurde, kann ich das nicht so richtig beantworten.

Hat es im Mittelalter die Hofnärrin (hab im Duden nachgesehen, den Begriff gibt es wirklich) gegeben?

Gute Frage. Möglich wäre es. Da die Männer damals die Frauen ohnmächtig singen mussten mit ihrem Minnesang und sich werbend unterwerfen mussten, wäre eine Hofnärrin denkbar - aber nur da, wo eine Päpstin das Sagen hat. Schade, dass Helmut Schmidt nicht mehr lebt. Er hätte uns diese Frage sicher beantworten können - als letzter Zeitzeuge.

Haben Sie Erfahrung mit Wiener/Österreichischem Publikum? Wenn ja, erzählen Sie uns doch bitte, was Ösis von Piefkes unterscheidet.

Das Wiener Publikum würde es sich zunächst einmal verbitten, mit einem österreichischen gleichgesetzt zu werden. Ich habe Wien immer als sehr offen erlebt. Man ist durch die eigene große Humortradition von Bernhard bis Eckel sehr viel schräge Kost gewohnt. Wenn es also abgründiger, verrückter wird, steigen die Wiener in dem Moment ein, indem viele Deutsche schon lange wieder ausgestiegen sind.

Florian Schröder gastiert am 13. und 14. Mai im Kabarett Niedermaier.

von Amar Rajkovic

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