Endstation Ottakring: Aus dem Leben eines Original-Ottakringer

07. Januar 2019

„In welchem Bezirk wohnst du eigentlich?“, fragt mich das Mädchen, das ich gerade kennengelernt habe. „Ottakring, und du?“, sage ich laut und stolz und versuche mit forschendem Blick ihre folgende Reaktion zu analysieren. Hochgezogene Augenbrauen und Stirnmuskulatur, weitgeöffnete Augen und Mundwinkel, die nach unten gesenkt sind. Eine klassische, bemitleidende Reaktion, über die ich mich mit meinen Freunden aus Ottakring nur mehr lustig mache.

Ottakring wird neben Favoriten von vielen Leuten als Ghettobezirk abgestempelt. Laut diesen Menschen wird man beim Betreten des Gemeindebezirks entweder sofort ausgeraubt oder man trifft auf Gangs, die einen fragen, ob man irgendein Problem hat. Sobald man die U-Bahn-Station Ottakring verlässt, trifft man natürlich auf gewisse Klischees, die im Umlauf sind. Die  Thaliastraße ist nämlich nicht mehr das, was sie mal war. Diese wird regelrecht von Döner- und Pizzaläden überschwemmt. Um genau zu sein sind es ab dem Brunnenmarkt bis zum Schuhmeierplatz 25 Buden, wie meine Freundin und ich eines Abends bei einem Spaziergang in Ottakring feststellten.

Nicht selten sind meine Freundinnen und ich spätabends ungeschminkt, in Jogginghose gekleidet und die Haare in einen wilden Dutt gebunden, in unser Stammcafé auf der Ottakringerstraße spaziert, um unsere Krisensitzungen zu halten oder doch nur schnell auf dem Weg eine Pizza-Schnitte für gute 1 Euro zu holen. Und nein, man wird auf der Straße nicht komisch angeschaut, sondern eher von den anderen Ottakringern anerkannt, denn diese schauen oftmals nicht anders aus. Und ganz ehrlich, in dem Look fühlt man sich  auch auf den Straßen ganz wie zu Hause. 

Ottakring bringt also viele Vorteile mit sich. Jeder, der in Ottakring wohnt oder zumindest um drei Uhr morgens durch den schönen Bezirk spaziert ist, hat wahrscheinlich schon gemerkt, dass es je nach Windrichtung entweder nach Haselnusscreme von der Mannerschnittenfabrik oder nach Hopfen von der Ottakringerbrauerei duftet. Manchmal vermengt sich dieser Duft zu einem unausstehlichen Gestank und man fragt sich zuhause, ob man nun doch eine Mannerschnitte essen soll oder ein letztes 16er-Blech genießen sollte. Für das Schreiben von Blog-Einträgen würde ich aber an alle da draußen die Schnitten sehr empfehlen.

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