Heast, wer ist Jugo Ürdens?

14. Juli 2016

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jugo ürdens, uerdens, rap
Aleks S. aka Jugo Ürdens ist ein nicer Boy, der sehr nice Musik macht. (Foto: Dersim Cakmak u. Sebastian Somloi)

Jugo Ürdens ist eindeutig einer der feschesten und freshesten österreichischen Neo-Rapper. Wegen der Augen, wegen des Namens und wegen der Rhymes. Auf ihn aufmerksam wurden wir durch seinen Track “Österreicher” von der EP “Ajde”, in dem Jugo feiert, endlich österreichischer Staatsbürger zu sein. Naja, er ist es noch nicht wirklich aber er ist auf gutem Weg dorthin. In seinem ersten Interview stellt er sich mal vor.

Jugos Background ist folgender: Er wurde in Skopje geboren, sein Vater kommt aus Mazedonien, seine Mutter aus Serbien. Er ist mit sieben Jahren nach Wien gekommen und im 16. Bezirk aufgewachsen. Damals konnte er noch kein Wort Deutsch, jetzt rappt er in weitaus besserem Deutsch, als die Rapper, die er selbst hört. Assi-Gangster-Rap ist sein Favorite, er selbst hat aber kein Gangster-Leben geführt und rappt demnach auch nicht über Waffen und Kohle, denn er hat beides nicht. Ohne Money ging er in ein Gymnasium im 1. Bezirk, danach versuchte er sich an der WU - mit wenig Erfolg, denn mit Anzug und Macbook in der Vorlesung sitzen ist nicht sein Ding - so wie Wirtschaft generell. Entweder Jus oder am liebsten nur Musik machen ist Plan B.

Apropos, Jugo hält nicht viel von Kategorien, wir stufen ihn aber mal als “Good Guy Swag Rapper” ein, denn er ist schon swaggy, aber nicht Mega-Arschloch. Hört selbst in seine Debüt EP "Ajde" rein. Sein erstes Video feiert das bürokratische Ankommen als Ausländer in Österreich.

Das Video zu "Österreich" von Golden Babo Cut Productions:

“Heute ist ein gottverdammter Feiertag, denn ich habe endlich den rot-weiß-roten Reisepass.” Was bedeutet dieser österreichische Pass für dich?

Mein Onkel aus Mazedonien hat angerufen und meinte: "Du und deine Schwester müsst die österreichische Staatsbürgerschaft beantragen, weil die politische Situation hier gefährlich ist. Ich zahl euch den Scheiß auch." Wir haben den Antrag gestellt, haben sie aber eigentlich noch nicht. Das ist eine anstrengende Geschichte und ich wollte das thematisieren, aber ohne gehobenen Zeigefinger. Ich will auch nicht so tun, als ob mein Leben als Migrant ach so scheiße wäre, ich hasse das. Der Text in "Österreicher" ist natürlich überspitzt, aber nicht mehr alle fünf Jahre Visum verlängern zu müssen wäre schon nice. Wir haben aber Teile des Videos in Skopje gedreht und verbotenerweise Zäune beim Regierungsgebäude übersprungen. Wir wurden von der Polizei angehalten und niedergeschrien. Als ein Freund seinen österreichischen Führerschein herzeigte, hat sich der Polizist entschuldigt! Ich wäre wahrscheinlich im Häfen gelandet. 

Du hast aber kein Interesse daran auf sozialkritische Texte zu switchen?

Nein, gar nicht. Ich bin von vielen sozialen Themen einfach zu weit entfernt, um darüber zu rappen. "Österreicher" hat sich ergeben, weil ich das ja wirklich erlebe, nicht in den Club reinkommen, blöd angefickt werden und so. 

Du siehst aber mehr aus wie ein Skinhead als wie ein Jugo. 

Das höre ich oft (lacht). Die Frisur hab' ich noch nicht lange. Beim Fußballspielen im 16. war ich der einzige, der eigentlich wirklichen Migrationshintergrund hatte, wurde aber "Schwabo" genannt, weil ich so gut Deutsch spreche. Aber ja natürlich wurde ich insgesamt weniger angefeindet, weil ich weiß bin und blaue Augen habe.

Puls nennt dich wegen deiner Frisur “eine schmächtigere Version von Farid Bang” - Was meinst du dazu?

Ich habe mich totgelacht. Hat mich natürlich mega gefreut, weil die doch eine Reichweite haben, habe mich geehrt gefühlt.

Wie viel Jugo bist du?

Ich gehe alle paar Tage am Yppenplatz Ćevape essen, spreche Mazedonisch und Serbisch und habe definitiv Jugo-Temperament. Mein Jugo-Bewusstsein und die Auseinandersetzung damit ist aber erst mit 15-16 gekommen, denn davor war ich ja fremd und wollte als Österreicher durchgehen. 

Du bist unverfroren migrantisch - ein FPÖ-Albtraum?

Ich schäme mich überhaupt nicht dafür Migrationshintergrund zu haben. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich in einer gewissen Umgebung schon schnell Artikel weglasse und mich debil verhalte. Ich glaube, wir sind alle anders, wenn wir mit Österreichern unterwegs sind. Ich würde mir wünschen, dass ich seitens der rechten Leute gehatet werde. 

Wie reagieren deine Leute?

Voll positiv, meine Eltern feiern es total. Es gibt nur eine Szene, die sie sehr irritiert hat. Wir waren beim Videodreh ziemlich besoffen und haben zur Zeile "Vermenge die Adolf Hitlers mit einer Handvoll Shiptars" eine kurze schwule Kussszene eingebaut. Mein Vater hat mich angerufen und wollte mich enterben. Ich so: "Wir haben nix, was willst du mir wegnehmen?"

Wo soll es künftig hingehen?

Am splash! Festival auftreten ist so meine Idealvorstellung. Ansonsten würde ich gerne von meiner Musik leben können und ich meine gar nicht reich sein, sondern einfach wie bei einem Bürojob das bisschen Geld verdienen und damit zufrieden sein. Ansonsten würde ich gerne als Producer arbeiten, produziere auch meine Sachen alle selbst. 

Im Sommer dreht Jugo das nächste Video für sein neues Album und es werden sicher bald mehr Leute und Labels auf den Jugo Ürdens Geschmack kommen. Wir freuen uns auf jeden Fall auf mehr "Good Guy Swag" von Jugo Ürdens.

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