Radikal, aber bitte christlich

26. April 2018

Gedenken in Bleiburg

Gedenkfeier, Bleiburg, Kroatien, Massaker, 1945, Jugoslawien
EXPA / APA / picturedesk.com

Am 12. Mai findet wie jedes Jahr die Gedenkveranstaltung für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Kroaten in Bleiburg, Kärnten, statt. Das Treffen wird von klerikalfaschistischen Ustascha-Anhängern genützt, um offen ihre in Kroatien verbotenen Abzeichen, Symbole und Devotionalien zur Schau stellen zu können. So war es die letzten Jahre, so wird es auch heuer sein.


Die Veranstaltung gedenkt den im Jahr 1945 ermordeten Ustascha-Milizen, die in die Arme von Titos Partisanen fielen und exekutiert wurden. Man spricht von über hunderttausend Toten, gewiss eine Tragödie, die man damit auch nicht rechtfertigen kann, dass die „Ustascha“ als Verbündete von Hitler kämpften und selbst für unzählige Gräueltaten an Juden, Roma, Andersdenkenden verantwortlich sind.

Im Norden gedenken, im Süden glorifizieren

Während im Norden Österreichs der Ermordung von Juden im KZ Mauthausen gedacht wird, lässt man weiter südlich die dunkelsten Gespenster des Zweiten Weltkriegs ihr Unwesen treiben. Warum ist so etwas nur möglich? Der Landeshauptmann von Kärnten, Peter Kaiser, spielt den Ball an die Bundesregierung und verlangt die Ausweitung des Verbotsgesetzes. Denn: Viele in Bleiburg stolz getragene Symbole finden sich nicht im österreichischen Verbotsgesetz wieder, während sie in Kroatien auf dem Index stehen. Auch wir von biber konnten uns schon vor Jahren überzeugen, welcher Wind auf dem Bleiburger Feld weht. Die Veranstaltung, die von der kroatischen Regierung unterstützt wird und ursprünglich im Jahre 1951 als katholischer Gedenkgottesdienst initiiert wurde, scheint ein Auflauf von mehrheitlich ewiggestrigen Revisionisten zu sein. Statt Kerzen und Gedenkminuten gibt es einschlägige Uniformen, T-Shirts mit Märtyrern wie Ante Pavelic (Diktator des damaligen kroatischen Staates) oder Ustascha- Flaggen (wenn das kroatische Schachbrettmuster auf der Fahne mit einem weißen statt roten Quadrat beginnt). Man trinkt und tanzt zu Thompson-Liedern und betrachtet das Ereignis von 1945 als den Beginn der „Ketten des Kommunismus.“

Was sagt die österreichische Regierung dazu? „Da es sich um eine kirchliche Veranstaltung auf einem privaten Grund handelt, kann die Bundesregierung diese Veranstaltung nicht verbieten. Sollte es zu gesetzlichen Verstößen kommen, dann werden unsere Behörden mit aller Konsequenz dagegen vorgehen. Das Bundesinnenministerium prüft weitere legistische Maßnahmen“, heißt es aus dem Büro des Kanzlers. Interessant ist die Zurückhaltung schon, da man keinesfalls ausländische Konflikte nach Österreich importieren wolle, wie auch die Drohung von Bundeskanzler Kurz letzte Woche Richtung Erdogan und seiner geplanten Wahlauftritte in Österreich unterstreicht. Oder ist die große, traditionell ÖVP-wählende kroatische Bevölkerung in Österreich zu wertvoll, um vor den Kopf gestoßen zu werden?

Kurz, Bleiburg, Ustascha
Screenshot: FB

Dieser Eindruck entsteht, wenn man das Foto eines offensichtlich kroatischen Patrioten aus Österreich in sozialen Kanälen betrachtet. Der glühende Nationalist D. posiert auf einem Foto auf Facebook zusammen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und schreibt Folgendes dazu: „Dieses Jahr wird das traditionelle Gedenktreffen in Bleiburg wie jedes Jahr stattfinden. Es gibt kein Verbot, weil der Bundeskanzler zu uns Kroaten steht.“ An sich nichts Verwerfliches, wären da nicht weitere Fotos des Users u.a. mit Zeljko Glasnovic. Der ehemalige kroatische General und jetzige Politiker hielt erst kürzlich eine Rede vor dem kroatischen Parlament, in der er eine Lanze für Slobodan Praljak brach. Ja, genau jenen Praljak, der sich Ende des letzten Jahres nach seiner Urteilsverkündung vor dem Tribunal in Den Haag mit einem Gift umbrachte und zum Märtyrer für viele kroatische Nationalisten wurde. Auf dem Foto trägt der User D. übrigens ein Barett (kroatisch: beretka) mit dem kroatischen Schachbrettmuster. Dieses fängt mit einem weißen Quadrat an, dem geheimen Code der Ustascha.

Beretka, Ustascha, Glasnovic
Screenshot: FB

 

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