Rassismusvorwurf: Jazz Musiker Kamasi Washington bricht Wiener Konzert ab

09. Juli 2019

Rassismus-Skandal in der "Arena Wien". Der bekannte Jazzmusiker Kamasi Washington spielte gestern gerade das erste Lied mit seiner Band, bevor er dann - zur Überraschung der meisten Fans - plötzlich das Konzert beendete und die Bühne verließ. Grund: Washingtons Vater wurde angeblich von den Securities der Arena beleidigt und zu Boden gestoßen. Die Wogen gehen hoch, auf der FB-Seite des Veranstalters gehen die User scharf mit den Verantwortlichen ins Gericht. Es gebe - selbst am Tag nach dem Konzert - noch immer keine Entschuldigung und es entsteht der Eindruck, Alltagsdiskriminierung werde nicht ernst genommen. (EDIT: Arena Wien hat sich um 14:15 öffentlich geäußert, siehe unten)

Stormzy-Reprise

Vanessa Spanbauer ist Journalistin, die sich mit dem Leben Schwarzer Menschen in Österreich auseinandersetzt. Die Wienerin bekam über Freunde auf Social Media Wind vom Boykott Washingtons. Was genau geschehen ist, wissen nur die Zeugen. Laut Spanbauer war die Aktion des Musikers ein wichtiges Zeichen: "Die große Geschichte ist die Reaktion von Kamasi Washington, das Konzert unverzüglich abzubrechen.", so die Journalistin. Wenn man Zeuge von Rassismus wird, müsse man auch ein Zeichen setzen, findet Spanbauer. Der Vorfall erinnert an den Zwischenfall im April als der britische Rapper "Stormzy" seinen Auftritt absagte, weil die Securities seine Begleiter und den Manager ohne Grund nach Waffen durchsuchen wollten. Stormzy entschuldigte sich zwar via Instagram bei seinen Fans und machte gleichzeitig klar, dass er sich sowas nicht gefallen lassen würde. Nur drei Monate später wird österreichs Musikszene also erneut von einem Skandal angepatzt, der aber erst durch die (Nicht)-Reaktion des Veranstalters zu einem solchen wird, wie Spanbauer erklärt: "Rassismus ist nicht nur das Beschimpfen oder klare physische Gewalt, es ist auch die Art und Weise, wie man auf solche Anschuldigungen reagiert. Die Wiener Arena hat erst kürzlich (14:15) ein Statement abgegeben. Bestenfalls dürftig war die Reaktion die Organisatoren von Nova Jazz & Blues Night, die für das Booking von Kamasi Washington verantwortlich war. 

Für Spanbauer bleibt der fade Beigeschmack und für viele andere Fans die Enttäuschung über das jähe Ende eines Musikabends, der alles, nur nicht politisch werden sollte. Die Journalistin sieht den Zwischenfall aber auch als Chance sich mit Diskriminierung auseinanderzusetzen. „Wieso Dinge, die vielleicht nicht rassistisch gemeint sind, dennoch Rassismus sein können.“, so Spanbauer.

 

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