The Girls Of Revolution Street

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Screenshot: Instagram Hamidreza.pourakbar

Vida Movahed steigt am 27. Dezember auf einen Stromkasten auf der Enghelab-Straße,der Straße der Revolution, in Teheran, der Hauptstadt des Iran. Ihr weißes Kopftuch, das eigentlich ihr langes, schwarzes Haar bedecken sollte, hat sie an einem Stock festgebunden. Anstatt sich damit zu verhüllen, schwingt sie es wie eine Friedensfahne, als Zeichen des stillen Protests. Das Video, das sie bei dieser Aktion zeigt, wird rasant in sämtlichen Sozialen Medien geteilt – und sie löst so eine Welle an Protesten aus.

Das Zeichen ihrer Unterdrückung

Frauen im Iran müssen seit fast 40 Jahren, seit der Islamischen Revolution 1979, ab ihrem neunten Lebensjahr verpflichtend ein Kopftuch tragen. Verstöße gegen dieses strenge Gesetz werden hart bestraft. So drohen ihnen Haftstrafen oder sogar Peitschenhiebe, wenn sie keinen ,,guten‘‘ Hijab haben, also nicht ordnungsgemäß verhüllt sind. Dennoch testen die Iranerinnen seit Jahrzehnten die Grenzen des Gesetzes aus. So wurde mit den Jahren der lange Mantel, der ihren Körper verhüllen soll, immer kürzer und enger und das Kopftuch ist teilweise nur mehr als kleiner Stofffetzen vorzufinden. Natürlich ist dies nicht von der Regierung unbemerkt geblieben: Verhaftungen und sonstige polizeiliche Interventionen, die mit dem Hijab zusammenhängen sind gang und gäbe. Allein 2014 gab es laut der iranischen Polizei 3,6 Millionen Fälle, die mit der strengen Kleidungsvorschrift zu tun haben. Das Kopftuch ist demnach das sichtbarste Symbol der Unterdrückung der iranischen Frau. Wurde es jahrelang auch von iranischen Feministinnen, die sich auf politische Gleichberechtigung fokussierten, als eher zweitrangiges Thema abgetan, so ist dies in der heutigen Generation anders. Vida Mohaved und die anderen ,Girls of Revolution Street' sehen im Kopftuch das wichtigste Zeichen ihrer Unterdrückung.

 

White Wednesdays

Aktionen, bei denen Frauen im Iran ihr Kopftuch in der Öffentlichkeit ablegen, gibt es schon seit 2014: Damals postete die in New York lebende Journalistin und Aktivistin Masih Alinejad ein Foto von sich auf Facebook in ihrem Auto ohne Kopftuch. Sie beschrieb das Gefühl der Freiheit, das sie dabei genossen hatte und forderte andere Iranerinnen auf, ihr ebenfalls Fotos von sich unverhüllt zu schicken. Die Bewegung,, My Stealthy Freedom‘‘, meine heimliche Freiheit, hat seitdem über eine Million Likes auf Facebook und ist schon durch mehrere Aktionen aufgefallen. So posteten neben iranischen Frauen, die sich ohne Kopftuch präsentierten, auch Männer, die Hijabs als Zeichen der Solidarität trugen, Fotos von sich. Im Mai 2017 rief Alinejad dann die Kampagne ,,White Wednesdays‘‘ ins Leben. Hier tragen Iranerinnen mittwochs ein weißes Kopftuch, als Zeichen des Protests und der Solidarität. Es war eben auch ein Mittwoch, an dem Vida Movahed ihr weißes Kopftuch auf der Straße der Revolution schwenkte.

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Screenshot: Twitter iranHrm

The Girls of Revolution Street

Nach ihrer mutigen Tat war Movahed unauffindbar. Mittels Hashtags wie Where_is_she oder Girl_of_the_Revolution_Street versuchte man sie auf den Sozialen Netzwerken zu finden. Man fand heraus, dass die 31-jährige Mutter eines Säuglings verhaftet worden ist. Seit dem 27. Jänner ist sie jedoch, laut der Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh wieder frei. Doch mit ihrer Aktion hat Movahed eine Protestwelle ausgelöst. Jeden Tag klettern Frauen im ganzen Land auf Stromkästen oder Parkmauern und schwenken ihr Kopftuch als Zeichen des Protests. Auf www.enghelabgirls.com werden auf einer Karte die Orte und die zugehörigen Bilder der Protestaktionen gezeigt. Fotos und Videos von diesen mutigen Frauen verbreiten sich rasant auf den Sozialen Medien. Dort werden sie auch ‚Girls of Revolution Street‘ genannt. Aber auch religiöse, verschleierte Frauen und auch Männer solidarisieren sich mit den Demonstrantinnen. Jedoch geschieht all dies nicht ohne Konsequenzen. Mindestens 29 Frauen wurden bereits festgenommen.

Ob diese Festnahmen die iranischen Frauen einschüchtern und zum Schweigen bringen, wird sich zeigen. Masih Alinejad meint in einem Interview mit dem kanadischen Sender CBC, dass das lange Schweigen nun ein Ende hat. Die neue Generation haben dank der Neuen Medien nicht nur die Möglichkeit, sich mit anderen Demonstrierenden zu vernetzen, sondern auch das, was ihnen widerfährt, mit Millionen von Menschen zu teilen. Jahrzehntelang haben die Iranerinnen in Angst gelebt aber nun hat das Regime Angst vor ihnen. 

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