Rappender Pfarrer

07. Juli 2015

Sie rappten, nahmen Lieder auf. Während seine Kumpels aus dem Viertel tiefer in die Rap-Materie eintauchten, schlüpfte Jakub Bartczak in die Soutane. Doch Rap endgültig an den Nagel zu hängen kam nicht in Frage.

„Man kann nicht von Hip-Hop geheilt werden“. Das Leben als Priester hinderte Jakub Bartczak nicht daran, weiterhin Rap-Texte zu schreiben. Zu Ehren Gottes. Letztes Jahr erschien sein erstes Album „Powołanie” (dt: „Berufung“). Der polnische Pfarrer ist somit der lebende Beweis dafür, dass die Vermittlung christlicher Werte nicht stocksteif sein muss. In Interviews vergisst man jedoch blitzartig, dass man es mit einem Geistlichen zu tun hat. In seinen Aussagen wimmelt es nur so von Slang-Begriffen. Durch seine natürlich lockere Art wirkt er wie ein Homie. An Humor mangelt es nicht. An Interesse seitens der Medien ebenso wenig. Auftritte in Sendungen, wie „RaptimeLive“, bei der die polnische Rap-Elite gastiert, sprechen für den „Rapper im liturgischen Gewand“.

Bei der Produktion von Beats erwiesen sich seine früheren Kontakte als hilfreich. Die 14 Werke auf seiner CD sind professionell ausgearbeitet. Die Tatsache hilft, den rappenden Pfarrer wirklich ernst zu nehmen. Der 34-jährige ist sich dessen bewusst, dass er besser sein könnte. Das wiederrum koste mehr Zeit, die er wegen seiner anderen Pflichten nicht aufbringen kann. Aber er ist davon weit entfernt, als miserabel abgestempelt zu werden. „Meine Beats sind echt gut“.

 

Wie lange beschäftigst Du dich schon mit Rap?

Mit Rap beschäftige ich mich seit 15 Jahren. Dazwischen gab`s eine Pause wegen dem Priesterseminar.

In welchen Verhältnissen stehst Du zu der Hood, in der Du aufwuchst?

Freunden aus der Kindheit stehe ich sehr nah. Vielleicht nicht so nah, wie früher, aber wir pflegen den Kontakt.

Durch das Koppeln christlicher Werte an die Rap Musik brichst Du Konventionen. Wie ist die Reaktion der Leute?

Jesus bricht die Konventionen, indem er mich berufen hat. Die Reaktion ist positiv. Die Unterstützung der Gesellschaft ist spürbar.

Dein Tag als Priester ist von früh bis abends genauestens durchgeplant. Wann findest Du Zeit, Texte zu schreiben und Musik zu machen?

In den Pausen, zwischen meinen Pflichten. Ziemlich oft auch am Abend.

Hast Du Hater?

Wahrscheinlich schon, bin aber nicht up to date, was die Rap Szene angeht. Denke allerdings, dass mich und andere Künstler die konservativen Werte verbinden, welche im Rap starkt verankert sind.

Wie oft gibst Du Konzerte?

Ungefähr 14 im Jahr - im Zusammenhang mit Besinnungstagen und anderen Aktionen. Immer in der Nähe der Kirche und natürlich in der Soutane.

Rappst Du im Reliunterricht?

Selten, aber es kommt schon mal vor, dass ich paar Raps raushaue.

Was ist das wichtigste an einem Hobby, wie deinem?

Wir haben alle unsere Hobbys. Umso mehr sie der Evangelisierung dienen, desto besser.

Es scheint, als erlebe „Gospel Rap” in Polen einen Aufschwung. Künstler wie Du oder Tau ehren Gott in ihren Werken. Ist das der Durchbruch im Rap?

Möge es so sein. Viele Hörer von Rap Musik in Polen sind Christen. Dadurch, dass da was kommt und zwar auf immer besserwerdendem Niveau, können wir die Hörer davon überzeugen, dass man über Gott rappen kann. Einige gehen auch vom Hören zum künstlerischen Schaffen über.

Wann kommt das nächste Album?

Im September. Eigentlich ist es schon fertig. Nun bin ich mit dem Drehen der Clips beschäftigt.

Danke für das Interview und die dafür gewidmete Zeit!

Geh mit Gott!

 

Zwei seiner bisherigen Videoclips bringen es auf über eine Million Klicks. Diese seht ihr hier:

https://www.youtube.com/watch?v=T0wTtg3t45M

https://www.youtube.com/watch?v=bJ8tso4vC-I

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Kommentare

 

Also die Antwort auf "Hast du Hater?" merk ich mir! 

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