Zwischen Polska-Schal und Wirtschaftsuni: Wer ist eigentlich dieser EINFACHSO?

„Das ist doch dieser eine Pole mit Bauchtasche, der mit Jugo Ürdens auftritt.“ -Wenn bis dato vom Wiener Rapper EINFACHSO die Rede war, bekam man oft genau diese Beschreibung. Doch jetzt steht der 19-Jährige langsam auf eigenen Beinen. Jedenfalls hat er gestern mit seiner Single „CityBike“ 10.000 Klicks auf Youtube erreicht.  Sein Stil: „3 Stripes statt ‚nem Bankersuit.“. Seine Texte:“ Hab ich einmal no money, mach’ ich zapzarap auf der nächsten Homeparty.“

Sprich: Polska-Schal, Bauchtasche und Rappen über Ausländersein – aber eben mit einem gewissen Etwas. Der gebürtige Pole hat vor kurzem auch seine erste eigene EP namens „TakTak“ herausgebracht. Zum Interview kommt er mit seiner unentbehrlichen Bauchtasche, raucht sich gleich eine Tschik an und wirkt auf der Stelle sympathisch. Irgendwie so lustig-assig, aber irgendwie lieb. Auf die Frage, wie es ihm geht, antwortet er : „Gut, aber ich bin so fertig, ich zieh jetzt um, ich zieh mit dem Jugo Ürdens zusammen, wir haben gestern ausgemalt.“

Foto: Julia Peternell
Foto: Julia Peternell

„Ich bin dem Unfotogen sein Sohn. Schlimmste, diese Haare. Warte, ich mach Spiderman, oida.“ – Wir finden, dass die Slav-Squat-Fotos trotz „Unfotogen seinem Sohn“ super geworden sind. 

Mit Biber spricht EINFACHSO darüber, wie die Leute ihn und Jugo Ürdens verbinden, seine Musik, den Flötenunterricht in der Volksschule und darüber, was zur Hölle ihn auf die Wirtschaftsuni getrieben hat.

BIBER: Wieso nennst du dich Einfachso?

EINFACHSO: Das erklärt sich eh von selber. Ich wollte einen Namen, der bei den Leuten hängenbleibt. Einfach so halt. (lacht)

Was machst du neben der Musik so? Studieren, arbeiten?

Ich hab’ mich gestern für Wirtschaftsrecht an der WU inskribiert, weil die Anmeldefrist bis gestern war. Ich will halt auf 16 ECTS kommen, damit ich die Familienbeihilfe krieg. Und sonst arbeite ich als Security. Einfach da stehen und Geld verdienen. Weisteh’.

 

Bist du Pole oder Österreicher?

So fifty-fifty. Ich habe seit drei Jahren den rot-weiß-roten Reisepass, aber ich bin in Polen geboren und mit drei Jahren hergekommen. Zuhause haben wir immer polnisch gesprochen. Ich bin hier in Wien ja auch elf Jahre lang neben der normalen Schule in die polnische Schule gegangen. Aber so eine Identitätskrise mit „Wer bin ich eigentlich“ hatte ich nie.

Und was sagt deine Familie in Polen zu deiner Rap- Karriere? Wissen die davon?

Also so Freunde von meinen Eltern kriegen es schon mit, durch ihre Kinder, die mich dann z.B. auf Instagram sehen. Übrigens, ich hass’ dieses ganze Social Media, aber das ist heutzutage ein Muss. Meine Oma und so meinen eher : „Lern was Gescheites“, meine Eltern sind auch nicht so hundert Prozent dafür, weil die Musik schon eben zeitraubend ist. Die wollen lieber, dass ich studieren gehe. 

Foto; Julia Peternell
Foto; Julia Peternell

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Bist du immer schon so rumgelaufen oder ist das ein Statement?

Meinst du wegen Bauchtasche und so? Ich lauf schon seit zehn Jahren so herum, nicht wie die Kids, die auf einmal auf Travis Scott tun. Ich würd’ sagen, mein Stil ist so: halb Pole, halb Skater Street Style. Eben ein Mix aus drei Streifen (Anm. Adidas) und Vans. Die Tattoos gehören auch dazu, ist zwar nur eines professionell gemacht, aber egal. Mein Liebling ist die +48, die Vorwahl von Polen, auf der Brust.

Wirst du auf der Straße erkannt?

Es ist schon ein paar Mal passiert. Da gehst du und plötzlich hält dir einer die Handykamera in die Fresse. (lacht)

Hast du Groupies?

Kann schon sein. Wobei, wenn ich mit dem Jugo Ürdens herumlaufe, dann werden wir öfter erkannt, dann hören wir schon mal ein „Hey das sind doch diese zwei Rapper“. Einmal bin ich vor der Passage – übrigens dort sind nur Hurenkinder- mit einem Freund von uns gestanden, der sich auch eine Glatze (Anm. wie Jugo Ürdens) geschnitten hat und irgendein Typ hat uns gerufen, weil er dachte, das ist er, eben nur wegen der Frisur. Also ja, man zählt uns schon irgendwie zusammen, und dann werden wir erkannt.

 

Foto: Julia Peternell
Foto: Julia Peternell

OK. Und wie bist du überhaupt zum Rappen gekommen?

Ich hab in der Volksschule Flöte und Gitarre gespielt, der Klassiker halt. Mit 13, 14 habe ich meine ersten Texte geschrieben. Dann (habe ich) immer mehr Deutschrap gehört und dann irgendwann gemeint ich kann’s besser (als die meisten Deutschrapper).

Und - kannst du’s besser?

Besser als 70 % von denen, die es versuchen. Ich will dieses Jahr mehr Musik machen, ich will noch acht Songs rausbringen. Ich will es nicht gleich Album nennen, aber ich will mehr machen, als bis jetzt. Ich will irgendwann von der Musik leben können, ohne nebenbei zu arbeiten, damit ich meine Miete zahlen kann. Geld machen, die Welt sehen. Das will ich.

Foto: Julia Peternell
Foto: Julia Peternell

Nur eins seiner zahlreichen Tattoos ist professionell gemacht, der Rest ist von Freunden oder Anfängern gestochen. Stört ihn aber nicht. Viech halt. 

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